Kunst mit ironischer Schwere

Kunst Chemnitzer Jan Kummer zeigt seine Hinterglasmalerei

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Jan Kummer vor dem Bild "Bambus": "Am liebsten würde ich überall "Ohne Titel" dranschreiben." Foto: Michael Chlebusch

Als Jan Kummer am Freitag über seine Bilder sprach, wurde ihm, so schien es, erst einmal bewusst, was er sich da ausgesucht hat. Man muss alles sorgfältig planen.

Das Glas macht alles glatt

Die vorderste Schicht seiner Hinterglasmalerei (Eglomisierung) wird zuerst aufgetragen, kann dann nicht mehr geändert werden. Die riesigen Glascheiben passen auf keine Staffelei, müssen am Boden liegen, ohne auf das Ergebnis schauen zu können. Schwer und schlecht transportierbar sind sie obendrein. Warum also malt Jan Kummer in dieser Technik?

Man könnte es als Nivellierung des Materials beschreiben. Während sich in Öl, Acryl und Mischtechniken oft Erhebungen und Verwerfungen auf dem Bild ergeben, macht die Glasfront alles glatt. Lässt das Motiv in den Vordergrund rücken.

Die Ausstellung beginnt am 10. September

Mit der Sonderausstellung "Ohnmacht & Ekstase" zeigt der Chemnitzer Künstler Jan Kummer vom 10. September bis 31. Oktober erstmals einen Querschnitt dieser Arbeiten in den Kunstsammlungen. Eine seltsam aus der Zeit gefallene Anmutung haben die Kompositionen.

Er habe, sagt er, noch die Technikseite der "Mosaik"-Magazine vor Augen, die Fotografien und Plakate der 50er und 60er Jahre, als eine Arbeit noch kein Job war und die Haltung der Menschen ein bisschen staatstragend, wenn ein Fotograf kam.

Irgendwie auch authentischer, als die Pressefotografie heute. Es treibe ihn das Interesse an der Art der Darstellung von Menschen in verschiedenen Zeiten. Neben den Bildern aus Arbeit und Fortschritt sind in der Ausstellung aber auch Stilleben mit Nahrungsmitteln zu sehen.

Hier gibt es viele Dosen, aber anders als Warhols Popart haftet Kummers Bildern eine ironische Schwere an. Die Erbsendose im Zweireiher sozusagen. Er wolle das Essen mit gebührendem Ernst betrachten und doch: "Man kann eine Wurst auch mal aufschneiden."