Kunst statt Leerstand: Vorhang auf für die „Begehungen“ im Chemnitzer Schauspielhaus

Zwischen Kunst, Stadtentwicklung und Kulturdebatte wird das Chemnitzer Schauspielhaus für mehrere Wochen wieder zum Publikumsmagneten.

Chemnitz

„In der Vorstellung“ – So lautet der diesjährige Titel des Kunstfestivals „Begehungen“, was seit 2003 jedes Jahr in leerstehenden Orten in Chemnitz und Umgebung stattfindet. Austragungsort ist 2026 das sanierungsbedürftige Schauspielhaus, was bis 2022 als Theaterbühne noch genutzt wurde und dessen Zukunft noch immer unklar ist.

Diskurs ums Schauspielhaus und Kultur im Vordergrund

Damit richtet das Festival den Scheinwerfer auf ein Gebäude, das seit Jahren im lebhaften Diskurs der Stadtpolitik und Zivilgesellschaft wegen fehlender finanzieller Mittel steht. Wie wichtig ist Kultur im öffentlichen Raum? Wie geht es mit dem Schauspielhaus weiter? Baut man neu, saniert man oder widmet man sich gänzlich der Übergangslösung Spinnbau?

Um diesen Diskurs soll es auch in den „Begehungen 2026“ gehen. 25 Künstler und Künstlerinnen füllen das Schauspielhaus vom 19. Juni bis 5. Juli wieder mit Leben. Kuratiert wird die Ausstellung von Claudia Tittel.

Erstmals Eintrittspreise

In diesem Jahr kostet der Eintritt erstmals 10 Euro (Festivalticket für die gesamte Zeit). „Das ist einerseits dem deutlich gestiegenem Aufwand zur Durchführung des Festivals geschuldet, andererseits gestaltet sich die Finanzierung durch öffentliche Fördermittelgeber oder Sponsoren als sehr herausfordernd“, heißt es von Seiten der Festivalorga. Kinder und Jugendliche kommen weiterhin kostenfrei hinein.

Öffnungszeiten 2026

Die Eröffnung am 19. Juni findet um 18 Uhr statt, danach hat die Ausstellung täglich ab 12 Uhr und bis 20 Uhr geöffnet. Freitags und Samstags sogar bis 21 Uhr und am 27. Juni bis Mitternacht.

Auch Führungen werden angeboten

Jeden Samstag und Sonntag um 18 Uhr finden zudem kostenfreie Führungen (mit Festivaltickt) vor Ort statt, in denen Wissenswertes über die Kunstwerke erfahren werden kann. Führungen für Kinder sind immer Sonntag um 13 Uhr möglich. Auch wird es Führungen in Gebärdensprache, ebenfalls sonntags um 18 Uhr, geben. Das Festival versteht sich als eine inklusive und barrierearme Ausstellung. Weitere Termine für kostenfreie öffentliche Führungen sind ab 14. Juni auf der Website der „Begehungen“ einsehbar.

Informationen zur Anreise

Die Veranstalter bitten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, per Fahrrad oder zu Fuß anzureisen, da es kaum Parkplätze vor Ort gibt. Da das Schauspielhaus im Zentrum von Chemnitz liegt, beträgt die Laufzeit vom Hauptbahnhof etwa 20 Minuten und von der Zentralhaltestelle etwa 12 Minuten. Die Adresse ist die Zieschestraße 28 in Chemnitz.

Rückblick: Wo die letzten „Begehungen“ stattfanden

Das in Chemnitz gegründete Kunstfestival ist eines der renommiertesten Kunstevents in Sachsen und zieht jedes Jahr tausende Besucherinnen und Besucher an. Austragungsorte waren in den vergangenen Jahren u. a. ein ehemaliges Gefängnis, leerstehende Kulturhäuser und Schulen, verlassene Kleingärten, eine alte Brauerei, ausgediente Kaufhallen, ein trockengelegtes Spaßbad, ein verwaistes Museum oder ein verwilderter Bahnhof Orte des Festivals.

2025 fand das Kunstfestival „Begehungen“ im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres im Braunkohle-Heizkraftwerk Nord in Chemnitz unter dem Motto „Everything Is Interaction“ statt. Es lockte 56.000 Besuchende an.

2024 hieß das Motto „Kippeln - Protest in der zeitgenössischen Kunst“ in der ehemaligen Schule in der Charlottenstraße.

2023 luden die Begehungen unter dem Titel „et cetera pp“ ins Schlosspalais Lichtenstein ein und 2022 ins alte Erzgebirgsbad in Thalheim unter dem Motto „Plansch“.

Das Festival entsteht durch viel ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder des Begehungen e. V. und vieler Helferinnen und Helfer.

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