Leere Stühle, leeren Kassen: Gastronomen haben Zukunftsangst

Gastronomie Branche ist solidarisch und fordert Soforthilfen

Über 50 Unternehmer des Gastgewerbes aus Chemnitz und Umgebung haben am Freitagmittag hunderte leere Stühle auf dem Chemnitzer Neumarkt platziert. Auch in Freiberg, dem Vogtland und dem Erzgebirge gab es entsprechende Proteste. Mit der Aktion wollten sie einen Hilferuf an die Bundesregierung, Landesdirektion Sachsen und die Stadt Chemnitz senden. Die unabhängig und privat organisiert Initiative "Leere Stühle" begann in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Am 17. April machten dort über 1.000 leere Stühle auf die Not der Gastronomen, Hoteliers und Event-Veranstalter aufmerksam. Einen ersten Teilerfolg in der Branche gab es in dieser Woche bereits: Die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie soll ab Juli befristet bis zum 30. Juni 2021 auf den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent gesenkt werden. Doch die Existenzangst bei vielen bleibt.

Lokale sind seit Wochen geschlossen

Seit mehr als fünf Wochen sind die Lokale der Gastronomen geschlossen. Teilweise seien ihre Kurzarbeiteranträge in Bearbeitung. "Wir können aber das Geld für unsere Mitarbeiter nicht mehr vorschießen", sagen zum Beispiel André Gruhle und Henrik Bonesky. Gruhle betreibt unter anderem das "Hans im Glück" in der Innenstadt und ist mit über 200 Angestellten einer der größten Gastronomen in der Stadt. Die Mitarbeiter lebten von Festgehalt, Nacht- und Feiertagszuschlägen und Trinkgeldern - mit 60 Prozent des Festgehaltes könnten viele ihre Familien nicht ernähren. "Wir Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter haben nach einem langen Winter und den typischen Sommervorbereitungen leere Kassen und keine Einnahmen mehr", sagen sie.

Andere Bundesländer haben Soforthilfen auf den Weg gebracht

Aus gesundheitlichen Gründen könnten viele die Maßnahmen der Regierung nachvollziehen. Doch das Verständnis dafür fehle, warum es für ihre Branche keine Soforthilfen wie in anderen Bundesländern gibt. Denn: die entgangenen Umsätze könnten nicht nachgeholt, die Kredite kaum zurück verdient werden und die zusätzliche persönliche Haftung stürze viele noch tiefer in die persönliche Krise. Gebraucht würden dringend Zuschüsse, schnelle, unbürokratische Kredite, kurz: ein Zukunftsszenario, wie die Investitionen wieder zurück verdient werden können. "Wir haben Zukunftsangst - um uns, um unsere Läden, um die Vielfalt und um unsere Mitarbeiter - aber auch um unsere Städte, die durch Gastronomie, schöne Hotels und Veranstaltungen lebenswert werden", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Gastronomen.