Liebe braucht kein Datum: Der Valentinstag aus den Augen von Redakteurin Elli

Ein persönlicher, emotionaler Blick auf den Valentinstag: Warum Liebe kein Datum braucht, Freiraum Nähe schafft und Liebe keine Achterbahnfahrt ist, sondern Sicherheit ins Herz legt.

Chemnitz

Für mich braucht die Liebe keinen 14. Februar, keinen roten Kalenderstrich, der mich daran erinnert, dass sie existiert. Sie ist kein Feiertag, den man einmal im Jahr feierlich aus dem Schrank holt wie gutes Porzellan. Liebe ist für mich etwas, das in den unscheinbaren Sekunden wohnt - im verschlafenen Lächeln am Morgen, im leisen "Pass auf dich auf", im selbstverständlichen Nebeneinandersitzen, ohne reden zu müssen.

Jede Sekunde mit ihr ist wertvoll. Und genauso wertvoll ist der Freiraum, der zwischen zwei Menschen bleibt wie Luft zum Atmen.

Wenn der Valentinstag Bedeutung bekommt

Und doch weiß ich, dass dieser Tag für manche eine ganz besondere Bedeutung trägt. Dass er bewusst frei genommen wird. Dass der Fokus klar gesetzt wird: Heute geht es nur um uns.

Man schenkt - und bekommt etwas zurück. Vielleicht ist es ein gemeinsames Essen bei Kerzenschein, eine zarte Kette, ein Ring als Erinnerung, eine Geste, die sagt: Ich sehe dich.

Und in meinen Augen ist auch das völlig okay. Für viele ist es ein schöner Anlass, sich Zeit zu nehmen, den Alltag zu unterbrechen, Liebe sichtbar zu machen. Nur eben nicht meins.

 

Was ich häufig schon beobachtet habe

Wenn man sich an solchen Tagen jedoch einmal bewusst umschaut und die Paare beobachtet, dann sieht man nicht selten, dass es in manchem Fall wie ein Muss wirkt. Dass einer von beiden vielleicht lieber einen ruhigen Abend hätte, anstatt im überfüllten Restaurant zu sitzen, in dem man sein eigenes Wort kaum versteht.

Oder dass man es aus Liebe zum anderen aushält, obwohl man eigentlich gar keine Lust darauf hat. Weil der Zeitpunkt nicht passt. Weil die Muse fehlt. Weil das Leben gerade an anderer Stelle kreiselt - und sich nicht einfach ein Knopf drücken lässt, um alles andere auszublenden. Gerade an diesem angeblich einen, so besonderen Tag.

Was wäre, wenn man es spontan verschiebt?

Wenn das Restaurant leerer ist, die Rose nicht dreifach so teuer - und das Gefühl auf beiden Seiten stimmiger?

Wenn die Überraschung an einem ganz gewöhnlichen Tag im Jahr geschieht - und gerade deshalb umso mehr berührt?

Die stillen Bilder der Liebe

Ich finde es am niedlichsten - und zugleich am tiefsten berührend - wenn ich ein betagtes Paar sehe, das noch Hand in Hand läuft. Runzlige Hände, die vielleicht ein ganzes Leben getragen oder vielleicht sogar neu kennengelernt haben. Genauso wie die LIebe kein Datum braucht, so kennt die Liebe auch kein Alter...

Das ist für mich Liebe geworden: nicht laut, nicht inszeniert, sondern gewachsen. Still. Beständig.

 

Die erste Liebe: Vom freien Fall und neuem Wachsen

Die erste Liebe fühlt sich oft an wie ein Sprung von einer Klippe - atemberaubend hoch, schwindelerregend schön. Und nicht selten endet sie im freien Fall.

Doch selbst dieser Aufprall ist kein Ende. Aus diesen Tiefen wächst man. Man sammelt sich auf, setzt die eigenen Teile neu zusammen - stärker, klarer, näher bei sich selbst als zuvor. Schmerz formt. Und manchmal zeigt er uns erst, was wir wirklich brauchen.

Masken ablegen, echt sein

Es ist wichtig, man selbst zu sein. Die Masken und Fassaden so früh wie möglich abzulegen. Denn nur, wenn wir uns zeigen, wie wir wirklich sind, ziehen wir auch das an, was wirklich zu uns passt.

Nicht die perfekte Bilderbuchliebe wartet irgendwo da draußen - es gibt nicht "die eine" Form, die für alle gilt. Für jeden bedeutet Liebe etwas anderes. Und das ist gut so.

Entscheidend ist nicht, wie es von außen aussieht - wie perfekt das Foto, wie romantisch die Geste, wie beneidenswert das Bild. Entscheidend ist, wie es sich innen anfühlt. Ob es ruhig ist im Herzen. Ob es warm ist. Ob man sich gesehen fühlt.

Freilassen ist Nähe

Ich habe gelernt, dass Liebe nicht wie eine dauerhafte Berg- und Talfahrt sein muss. Nicht immer das Klopfen bis zum Hals sein, nicht immer Extreme. Für mich legt die Liebe eine Sicherheit ins Herz. Eine leise Gewissheit. Kein Sturm, sondern ein Anker.

Und ich glaube, dass Freilassen die größte Nähe schafft. Wenn man bleiben darf, obwohl man gehen könnte. Wenn das Zusammensein eine Entscheidung ist - jeden Tag neu. Nicht aus Pflicht, nicht aus Angst, sondern aus echtem Wollen.

Valentinstag mag für viele ein Symbol sein. Für mich ist Liebe kein Datum. Sie ist ein Prozess, ein Wachstum, ein Zuhause im Herzen - und sie beginnt immer bei einem selbst.

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