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Lockdown und Psyche: Berufstätige Frauen besonders betroffen

Corona Forschungsteam der TU Chemnitz veröffentlicht Studie

Vor etwas mehr als einem Jahr erreichte das Coronavirus offiziell die Bundesrepublik Deutschland. Der Lockdown brachte und bringt weitreichende Einschränkungen des beruflichen und privaten Lebens mit sich. Ein Forschungsteam der Professur Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz hat die psychischen Effekte des Lockdowns untersucht.

Emotionalen Erschöpfung im Pandemieverlauf

Dafür befragte das Team im Zeitraum April bis Juni 2020 in drei Befragungswellen insgesamt 3.862 Personen zu psychischen Belastungen infolge des Lockdowns - davon 2.900 Berufstätige. Der Großteil der Befragten waren Frauen (69,20 Prozent) und reguläre Angestellte (83,40 Prozent), gefolgt von Beamtinnen und Beamten (7,22 Prozent), berufstätigen Studierenden (3,93 Prozent) und freiberuflich Tätigen (3,68 Prozent).

Darüber hinaus lebte der Großteil der Befragten (75,03 Prozent) in einer festen Partnerschaft und ohne Kinder (40,30 Prozent). 57,67 Prozent der Befragten gaben an, keine Vorschulkinder zu haben, 10,27 Prozent hatten ein Kind, 7,22 Prozent zwei Kinder und 0,89 Prozent mehr als zwei Kinder.

Für die Untersuchung wurde gezielt nach persönlichen Faktoren wie Geschlecht, Familien- und Paarsituation sowie Arbeit im Homeoffice gefragt. Das Forschungsteam wollte sehen, ob es zwischen diesen persönlichen Faktoren Zusammenhänge mit der "Emotionalen Erschöpfung" - der Kernfacette des Burnouts - gibt und wie sich diese im Verlauf der Pandemie entwickeln.

Frauen deutlich stärker betroffen

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Frauen deutlich stärker vom Lockdown und dessen psychischen Folgen betroffen waren als Männer - vor allem, wenn sie im Homeoffice arbeiten", fasst Bertolt Meyer, Inhaber der Professur, zusammen.

Wesentliche Faktoren waren das Vorhandensein von Vorschul- und Schulkindern im Haushalt in Kombination mit geschlossenen Schulen und Kitas und Tätigkeit im Homeoffice. In diesem Fall stellten die Forschenden einen Anstieg der Erschöpfung besonders bei Frauen fest. "Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass Autonomie im Beruf und eine Unterstützung durch die Partnerin oder den Partner die psychischen Auswirkungen der Pandemie abfedern konnten."

 

Maßnahmen zur Milderung der psychischen Folgen

Das Team schlussfolgert daraus, dass die Pandemie insbesondere für Frauen mit stärkeren psychischen Belastungen verbunden ist und dazu beitragen kann, traditionelle Geschlechterrollen zu verstärken. Sie empfehlen daher Regierungen und politische Entscheidungsträgern, bei Maßnahmen zur Milderung der psychischen Folgen der Pandemie speziell Frauen in den Blick zu nehmen.

Der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, eine Arbeitsgestaltung mit mehr Autonomie und egalitäre Ansätze zur Aufteilung der Lasten im Haushalt können solche Modelle sein.



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