Malerische Experimente

Kunst Russische Avantgardisten zu sehen

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Mehr als 400 Werke zählt die Ausstellung. Foto: Toni Söll

Etwa 100 Künstler, über 400 Werke, der Katalog braucht über 400 Seiten, um die Fülle der Schau zu beschreiben, die am heutigen Samstag am Theaterplatz eröffnet wird. Die Kunstsammlungen schaffen die Zusammenfassung in einem Wort: "Revolutionär!". Gezeigt werden russische Avantgardisten, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts formal wie inhaltlich abwandten von akademischer Kunst auf der einen Seite, doch auch kaum noch etwas gemein haben mit den realistischen Peredwischniki, die die Kunstsammlungen vor Jahren präsentierten. Bei den Avantgardisten wird es geometrisch, suprematistisch, minimalistisch: Plötzlich wurden Experimente gewagt. Und revolutionär genauso die Inhalte: Vor allem nach der Oktoberrevolution 1917 wird der "neue Mensch" in Bild und Porzellan dargestellt, fließen die formalen Ideen auch in propagandistische Werke ein. "Diese Kunst hatte Anschluss an Mittel- und Westeuropa", weiß Kuratorin Brigitte Milde. Man besuchte sich über die Grenzen hinweg, lud sich ein zu Ausstellungen, verweilte zu langen Aufenthalten in anderen Ländern. Und wurde damit auch international bekannt: Kandinsky, Malewitsch (der mit dem Schwarzen Quadrat, das als Zeichnung zu sehen ist), Gontscharowa, El Lissitzky sind Namen, die man auch im Westen kennt. Doch auch die ausgestellten Porzellane sind in ihrer Geschichtenfülle und Darstellungsbreite einen eigenen Besuch wert: "Der Sammler, Vladimir Tsarenkov, kommt zur Eröffnung - ich denke, in dieser Breite hat er seine eigene Sammlung auch noch nicht gesehen", war Kunstsammlungs-Chefin Ingrid Mössinger erfreut.