Meditieren als Stresslöser: Hokuspokus oder doch der Weg in die Entspannung?

Test Welche App ist die beste?

Kims Selbst-Experiment

Die Corona-Zeit macht uns fast allen zu schaffen. Die einen versuchen, mit dem Kind auf dem Arm den Haushalt zu schmeißen, während gerade der nächste Zoom-Call beginnt. Die anderen versinken im Aufgabenberg der Schule oder Universität.

Auch unsere Redaktion befindet sich momentan im Home-Office. Viele meiner Kollegen, so auch ich, haben neben der Arbeit allerdings auch noch Live-Sessions der Uni, Hausaufgaben und Vorträge zu erledigen. Das lässt meinen Stresspegel ordentlich ansteigen, wenn sich der Computer mal wieder anfühlt wie das neue Zuhause und die Computermaus quasi mit der Hand verschmolzen ist und man auch noch im Schlaf versucht zu "klicken".

Auf einen Rat hin habe ich mir mal das Meditieren etwas näher angeschaut. Das heißt, ich habe gegoogelt und skeptisch beäugt, wie diese Menschen alle zu sich finden und Stress ablegen können wie eine Armbanduhr. Als sehr realistischer und auch durchaus pessimistischer Mensch war ich immer noch sehr ungläubig, das mir das wirklich helfen sollte. Aber was hatte ich denn zu verlieren? Frustshopping konnte auch nicht auf Dauer helfen. Da musste etwas anderes her. Also dachte ich mir: Das sieht so leicht aus. Das will ich auch können. Naja, zumindest erstmal probieren.

 

Ich nehme es gleich mal vor weg: Die erste "Meditation", wenn es überhaupt eine war, war sehr seltsam. Ich hatte das Gefühl, ich sitze falsch, ich atme falsch, ich mache alles falsch. Ich denke gerade an alles, aber nicht ans Entspannen. Wie lang können drei Minuten eigentlich sein? Wie bekommen die das alle hin?

Ehrgeizig wie ich bin, dachte ich mir aber: Das kann doch nicht so schwer sein! Wenn andere das können, kannst du das auch. Nach ein paar Tagen kritischer Auseinandersetzung zwischen der App und mir versuchte ich es dann noch ein mal. Dann mal ein anderes Programm, eine andere App. Mal an einem anderen Ort, mal kürzer, mal länger. Und irgendwann begann es sich, naja, zumindest weniger komisch anzufühlen.

Ich kann alle verstehen, die an diesem Punkt hier sich denken: "Die spinnt doch". Keine Sorge, ich verstehe das, ich war auch an dem Punkt. Aber was habt ihr denn zu verlieren, außer, dass ihr drei, vier Mal tief einatmet und vielleicht ein Gefühl von Entspannung verspürt?

Deshalb habe ich drei Apps aus den Weiten des App- und Play Stores für euch getestet. Vielleicht probiert es einfach mal aus, lacht vielleicht auch darüber, aber vielleicht fühlt ihr euch auch mehr relaxed.

 

1 - "Calm"

Diese App faszinierte mich schon vom Aussehen her. Ein schlichtes, nicht zu auffälliges und nicht zu überladendes Design. Wenn man die App öffnet, erscheint der Ratschlag, tief durchzuatmen. Das passt doch schon mal gut, oder?

Es werden in der kostenlosen Version verschiedene Programme angeboten, von der klassischen Meditation bis hin zur Schlafgeschichte über das Lavendelfeld. Die Stimmen zur Anleitung sind teilweise männlich, teilweise weiblich, aber beide sehr angenehm.

Was mir sofort gefallen hat sind die "Stimmungsbilder". Beim Öffnen der App erscheint ein dynamisches Bild, das man auswählen kann - meines ist ein plätschernder Bach. Passenderweise läuft im Hintergrund ein ähnlicher Ton oder starker Regen. Diese Töne kann man während des Meditierens im Hintergrund laufen lassen. Ich habe es sogar manchmal einfach so laufen, während ich Sachen erledige. Das kann wirklich beruhigend wirken. Sogar Katzenschnurren gibt es - aber da muss ich zugeben, bleibt die echte Katze doch ungeschlagen.

Leider ist das Angebot in der kostenlosen Version dann doch recht begrenzt, wenn man einmal alles durch hat. Für die Abo-Variante legt man 35,99 Euro pro Jahr hin. Dafür hat man dann Zugriff auf alle Kurse und Meditationen.

2 - "Smiling Mind"

 

"Smiling Mind" ist eine englische App, das gleich voraus. Da der Sprecher sehr langsam und ruhig spricht, braucht man, um es zu verstehen, aber kein Muttersprachler zu sein. Und vielleicht lernt man ja dabei sogar noch ein bisschen was?

Im Gegensatz zu "Calm" ist diese App kostenlos und bietet ein sehr viel größeres Angebot, ohne Geld zu bezahlen. Auch hier finden sich verschiedene Themen wieder, wie beispielsweise Übungen zu Familie, Beziehungen oder Arbeit. Hier kann man auch verschiedene Meditationen abrufen, die zu einem passen, ohne einer chronologischen Ordnung folgen zu müssen.

Das Design wirkt im Vergleich zu "Calm" durch weniger Bilder und mehr Schrift nicht ganz so beruhigend, was man über die Übungen allerdings nicht sagen kann. Mir gefällt hier auch besonders der Einsatz verschiedener Mittel - mal soll man sich wirklich nur auf die Atmung konzentrieren, mal auf einen Gedanken, mal auf Musik.

 

3 - "7Mind"

 

Auch die App "7Mind" ist eine deutschsprachige App. Sie besticht ebenfalls durch ein schlichtes Design, wenn auch, meiner Meinung nach, nicht so gekonnt wie bei "Calm". Besonders gefällt mir, dass man nach dem erstmaligen Öffnen der App gleich mit Grundlagen starten kann - das bietet sich besonders für Anfänger wie mich an. Bei den verschiedenen Themen wie Gesundheit oder Schule & Uni gibt es sowohl männliche als auch weibliche Sprecher, ähnlich wie bei "Calm".

Eine weitere Ähnlichkeit betrifft leider den Geldbeutel: So wird auch bei "7Mind" ein Obolus verlangt, wenn man auf mehr Kurse als in der kostenfreien Version angeboten zugreifen möchte. Kostenpunkt hier: 59,99 Euro pro Jahr. Dementsprechend war meine Enttäuschung groß, als ich bei "Schule & Uni" - wie für mich gemacht - einen Kurs beginnen wollte und von der Bezahlschranke gehindert wurde.

 

Fazit

Mein Fazit der drei Apps: Die Mischung macht's! Bei "Calm" gefällt mir die Optik, bei "Smiling Mind" die Auswahl und bei "7Mind" die verschiedenen Themen. Ich nutze immer mal eine andere App, je nach dem, was ich brauche. Wer kein Geld ausgeben möchte und Englisch sprechen beziehungsweise verstehen kann, kriegt auf jeden Fall "Smiling Mind" als Empfehlung von mir. Als Anfänger eignen sich aber auf jeden Fall auch die anderen beiden Apps, gerade um herauszufinden, welche Art und Weise einem am besten gefällt.

 

Ich bin weit - meilenweit - davon entfernt, ein Meditations-Experte zu sein. Das will ich auch gar nicht sein. Ich möchte mich nicht gezwungen fühlen, das jeden Tag machen zu müssen, denn dann verliert es seinen Zweck.

Aber gerade dann, wenn alle so stressig ist, lohnt es sich vielleicht, die Kopfhörer einzustöpseln, sich hinzusetzen oder zu legen, die Augen zu schließen und einfach ein paar mal durchzuatmen, während im Hintergrund ein Bach plätschert oder die Katze schnurrt - egal ob in der Realität oder über eine App. Vielleicht kann man so dem ganz normalen Wahnsinn für ein paar Minuten entkommen.