Der Reisetross des Chemnitzer FC ins Wintercamp in die Türkei umfasst insgesamt 36 Personen. Dazu gehören auch Physiotherapeutin Lina Lindner sowie die Ergotherapeutin Tanja Auerbach. Die beiden Frauen sind seit der Spielzeit 2023/24 bei den Himmelblauen tätig. Ihr erster Einsatz war beim 2:1-Auswärtssieg in Zwickau, als der Siegtreffer in der allerletzten Minute fiel, erfolgreich. Die Vorgeschichte, wie die beiden ehemaligen CFC-Spielerinnen, zu dieser Anstellung kamen, wurde von einem schönen Zufall geschrieben.
Löwe verpflichtete Damen-Duo
So führte damals die Reha Chris Löwe zu Lina Lindner. "Wir haben uns bei den Behandlungen über Gott und die Welt und den Fussball unterhalten, als Chris auf einmal sagte, dass eine Physiotherapeutinnenstelle beim CFC frei wäre, wurde ich sofort hellhörig", erinnert sich die Physiotherapeutin, für die anschließend der Traum, bei ihrem Herzensverein zu arbeiten, in Erfüllung ging. Ähnlich verhielt es sich bei Tanja Auerbach. Da der CFC auch die zweite Stelle in der medizinischen Abteilung ausgeschrieben hatte, wurde sie von ihrer Chefin bei einer Dienstberatung darüber informiert. Doch nicht nur das: Sondern auch für diese Position direkt vorgeschlagen. "Das kam für mich absolut überraschend, aber ich war darüber mega-glücklich und habe zugesagt, auch weil Lina und ich uns schon lange kennen", sagt die gelernte Ergotherapeutin.
CFC-Physiotherapeutin Lindner: "Lieber zu viel, als zu wenig Prävention."
Das Damen-Duo erlebt seitdem abwechslungsreiche Arbeitstage sowie spannende Spiele am Wochenende. Unter der Woche bereiten sie die Trainingseinheiten vor und nach und kümmern sich um die kleinen und großen Wehwehchen der Spieler. "Jeder Spieler kommt mindestens einmal die Woche zur Behandlung zu uns, manche auch häufiger", berichtet Lina und erklärt weiter: "Wir lockern und prüfen dabei jeweils die Muskulatur, um potentiellen Verletzungen vorzubeugen."
Die Spieler, welche via App die beiden über ihren Gesundheitszustand auf dem Laufenden halten, tun gleichfalls in ihrer Freizeit viel für ihre Fitness: Ob Sauna, Eistonne oder individuelles Krafttraining. Und diese Präventionsmaßnahmen zahlen sich aus, so ist die Anzahl an Muskelverletzungen deutlich zurückgegangen. Was das Damen-Duo allerdings nicht verhindern kann, sind Sprunggelenksverletzungen bzw. Verletzungen bei Zweikämpfen. "Auf das, was auf dem Rasen bzw. in der Halle passiert, haben wir keinen Einfluss. Fussball ist und bleibt ein Kontaktsport", erzählt Tanja und berichtet von einem Beispiel aus jüngerer Vergangenheit.
CFC-Ergotherapeutin Auerbach: "Jedes Spiel ist eine Überraschungstüte."
In der vergangenen Saison beim Auswärtsspiel gegen Hertha Zehlendorf knallte CFC-Torwart Daniel Adamczyk bei einer Parade an den Pfosten und hielt sich daraufhin die Schulter. "Für mich stand sofort fest, dass Adam nicht weiterspielen kann, er hat es trotzdem noch einmal versucht, merkte aber ganz schnell, dass es doch nicht geht", erzählt die 35-Jährige. Während die beiden bei Heimspielen mit Teamarzt Kristian Schaper Rücksprache halten können, sind sie auswärts auf sich allein gestellt und müssen schnell entscheiden. "Die Gesundheit des Spielers steht immer im Mittelpunkt - und bevor aus einer leichten eine schwerwiegende Verletzung wird, ordnen wir die Auswechslung an", so Lina. Die Spieler schätzen die Arbeit des Damen-Duos und kommen auch mit Alltagsfragen und -sorgen zu ihnen. "Wir sind wie eine Familie, zwei Schwestern mit vielen Brüdern", sagen die beiden mit einem Lächeln im Gesicht.
Letzter Einsatz vor dem Abflug ins Trainingslager
Beim "21. ZEV-Hallenmasters" hatte Roman Eppendorfer im Zweikampf einen Schlag auf das Knie bekommen. Aus diesem Grund ist der 22-Jährige bei Lina und Tanja auf der Liege gelandet und unterzog sich unter anderem einer Strombehandlung zur Schmerzlinderung, die dann für gewöhnlich täglich durchzuführen ist. Auf dem Trainingsplatz hat deswegen der Defensivspieler an den ersten beiden Tagen nur Intervallläufe und Sprints durchgeführt. Mittlerweile ist Eppendorfer aber wieder voll ins Training eingestiegen. Mit den Rahmenbedingungen im Trainingslager sind die beiden zufrieden, auch wenn etwas improvisiert werden musste. So wurde die Mini-Bar im Behandlungszimmer kurzerhand zum Kühlschrank für die Medikamente umfunktioniert.
Ablenkung am Klavier und mit einem Buch
Wenn der Feierabend ruft, gehen die ehemaligen Fussballerinnen gern ins Gym. Um den Kopf freizubekommen, setzt sich Lina zudem ab und an ans Klavier. Und wir erinnern uns: Zusammen mit den Spielern und Vereinsverantwortlichen des Chemnitzer FC hat die 24-Jährige das Lied "Ein Leben lang für Chemnitz" im "Stadion - An der Gellertstraße" gesungen und begleitet. Tanja, die damals ebenfalls mitsang, nimmt gern ein Buch in die Hand und geht laufen, um herunterzufahren. Am schönsten ist - und da sind sich Tanja und Lina einig - die Dankbarkeit, die ihnen für ihre Arbeit entgegengebracht wird.
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