Mehr Gewalt gegen Flüchtlinge

Demonstrationen Asylgegner schlagen Kirchenfenster ein

Die Situation um die Unterbringung von Flüchtlingen in einer als Notunterkunft hergerichteten Turnhalle in Markersdorf eskalierte Samstagnacht. Asylgegner warfen Steine in die Fenster zum Gemeindesaal der Bonhoeffer-Gemeinde, wo seit Freitagabend mehrere Flüchtlingsfamilien Schutz suchten. Scheiben gingen zu Bruch und mehrere Personen wurden dabei verletzt. Nach Angaben der Polizei hatten sich seit Freitagmittag bis 150 Personen in der Nähe der Unterkunft aufgehalten. Kurz vor 2 Uhr nachts wurden fünf Asylbefürworter von circa 10 bis 20 plötzlich aufgetauchten Personen tätlich angegriffen. Zwei der Angegriffenen wurden dabei verletzt, einer musste ins Krankenhaus gebracht werden. Angegriffen wurde am Sonntag auch SPD-Stadtrat Jörg Vieweg, als sich auf Vermittlung von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Bürgermeister Miko Runkel trotz der bedrohlichen Situation Flüchtlinge bereit fanden, in die Turnhalle zu ziehen. "Ein Mitarbeiter der Bonhoeffer-Gemeinde und ich sagten spontan zu, sie mit unseren Autos dahin zu transportieren. So fuhr ich eine Familie im Schritt-Tempo die kurze Strecke zur Turnhalle" erzählt Vieweg, "Davor hatten sich bereits etwa 15 Personen postiert. Sie belagerten mein Auto und riefen 'Ihr kommt hier nicht rein'. Die Flüchtlinge im Auto, unter ihnen ein Kind, wurden stark verängstigt." Das Vorhaben gelang zwar, aber ein gutes Gefühl habe er dabei nicht gehabt, sagt Vieweg. Schon gar nicht sei durch Sorgen und Ängste zu rechtfertigen, was derzeit hier ablaufe. "Wenn Steine auf eine Kirche fliegen, hat das nichts mit dem Schutz abendländischer Kultur zu tun", empört sich Vieweg. Wenn Menschen nicht mal in eine Notunterkunft gelassen werden und jeder bedrängt wird, der sie dabei schützen will, sei das beschämend.