Mit 13 Jahren Schiedsrichter: Chemnitzer träumt von der Fußball-WM

Viele Gleichaltrige spielen Fußball oder suchen noch ihren Weg. Nick Preußner spielt selbst mit Leidenschaft – und leitet die Spiele anderer bereits als Schiedsrichter. Sein großer Traum: Eines Tages bei einer Weltmeisterschaft mit der Pfeife auf dem Platz zu stehen.

Chemnitz

Mit der Pfeife in der Hand wirkt Nick Preußner erstaunlich souverän. Kaum zu glauben, dass der Chemnitzer erst 13 Jahre alt ist, als er seine Schiedsrichter-Ausbildung erfolgreich abschloss. Heute leitet er Spiele im Nachwuchsbereich, trifft Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden und übernimmt Verantwortung für das Geschehen auf dem Platz.

Dabei begann alles mit einem Wunsch, der ihn schon als Kind nicht mehr losließ.

Bereits mit zehn oder elf Jahren stand für ihn fest: Er möchte Schiedsrichter werden. Seine Eltern (Inhaber der Bäckerei Preußner in Chemnitz) bremsten ihn zunächst aus. Nicht, weil sie dagegen waren, sondern weil sie sicher sein wollten, dass aus einer spontanen Idee eine echte Leidenschaft geworden war. Sie sollten recht behalten.

Zwei Rollen, eine Leidenschaft

Fußball gehört seit Jahren zu Nicks Leben. Erst spielte er beim FSV Grüna-Mittelbach, später wechselte er zum SV Eiche Reichenbrand. Dort steht er auch weiterhin selbst auf dem Platz.

Genauso gern übernimmt er aber die Rolle des Spielleiters.

„Ich wollte das Spiel auch einmal aus einer anderen Perspektive erleben“, erzählt er.

Vor seinem ersten Einsatz war die Nervosität groß. Er wollte keine Fehler machen und alles richtig umsetzen. Inzwischen bringt jede Partie neue Erfahrungen mit sich – und bestätigt ihn darin, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Zwischen Fußballschuhen und Pfeife

An manchen Wochenenden spielt Nick selbst. An anderen leitet er Partien als Schiedsrichter. Der Wechsel fällt ihm nicht immer leicht.

„Vor jedem Spiel erinnert mich meine Mutter daran, dass ich heute Spieler und nicht Schiedsrichter bin“, erzählt er lachend.

Denn viele Situationen bewertet er inzwischen automatisch mit dem Blick eines Unparteiischen.

Spiele, die man nicht vergisst

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm sein erstes Großfeldspiel.

Mit gerade einmal 14 Jahren leitete er eine Partie der U17-Kreisoberliga – bei Flutlicht und Nieselregen.

Ohne Assistenten.

Ohne technische Hilfsmittel.

Ob Abseits, Seitenaus oder Tor – jede Entscheidung musste er allein treffen.

„Dieses Spiel werde ich nie vergessen.“

Ein weiterer Höhepunkt folgte zu Pfingsten. Dort durfte er das Pokalfinale der U15-Junioren zwischen Handwerk Rabenstein II und dem Chemnitzer Polizeisportverein pfeifen. Erstmals standen ihm dabei Schiedsrichterassistenten zur Seite – eine besondere Auszeichnung für einen Nachwuchsreferee.

Einen kühlen Kopf bewahren

Natürlich läuft nicht jede Partie ruhig ab.

Spieler diskutieren, Trainer reklamieren und auch Zuschauer machen ihrem Ärger manchmal lautstark Luft.

Nick setzt dann auf Ruhe statt auf Lautstärke.

Er erklärt seine Entscheidungen, bleibt sachlich und versucht, sich nicht auf Diskussionen einzulassen.

Natürlich denkt auch er nach einem Spiel über einzelne Situationen nach. Ohne Videoassistent bleibt manches eine knappe Entscheidung.

„Egal, wie man entscheidet – irgendjemand ist am Ende nicht zufrieden“, sagt er.

Rückhalt aus der Familie

Dass Nick seinen Traum verfolgen kann, verdankt er auch den Menschen, die ihn begleiten.

Seine Eltern fahren ihn zu Spielen und Lehrgängen, stehen oft am Spielfeldrand und halten ihm den Rücken frei.

Auch erfahrene Schiedsrichter wie Uwe Wunderlich, Daniela Illing oder Matthias Pietzsch unterstützen den Nachwuchs und helfen ihm, sich weiterzuentwickeln.

Hinzu kommt der Zusammenhalt unter den Schiedsrichtern. Viele kennt Nick gleichzeitig als Gegenspieler oder Mitspieler. Aus gemeinsamen Lehrgängen und Einsätzen sind Freundschaften entstanden.

Der Blick geht nach oben

Wenn Nick Fußball schaut, verfolgt er nicht nur das Spiel.

Besonders interessiert ihn die Arbeit der Schiedsrichter.

Zu seinen Vorbildern zählen Deniz Aytekin, Florian Badstübner und der Engländer Michael Oliver, der regelmäßig die größten Spiele Europas pfeift und bereits bei Welt- und Europameisterschaften im Einsatz war.

Im eigenen Verein blickt Nick außerdem zu Savina Duderstadt auf. Die erst 20-Jährige ist bereits Schiedsrichterassistentin in der 2. Frauen-Bundesliga. Beide zeigen ihm, dass Leidenschaft, harte Arbeit und Ausdauer Türen bis auf die große Fußballbühne öffnen können.

Genau dort möchte Nick eines Tages ebenfalls stehen.

Sein erstes großes Ziel heißt Regionalliga. Danach soll der Weg möglichst weiter in Richtung Bundesliga führen.

Und wenn irgendwann einmal bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft die Schiedsrichter gemeinsam mit den Mannschaften ins Stadion einlaufen, malt sich Nick manchmal aus, selbst derjenige mit Ball und Pfeife zu sein.

Verantwortung übernehmen

Für Nick bedeutet Schiedsrichter sein, Verantwortung zu tragen.

Er muss vorbereitet sein, pünktlich erscheinen, die Regeln beherrschen und auch dann Entscheidungen treffen, wenn sie nicht jedem gefallen.

Genau das hat ihn selbstbewusster gemacht.

Ohne Schiedsrichter gibt es keine Fußballspiele.

Gleichzeitig weiß der junge Chemnitzer, wie wichtig Nachwuchs im Schiedsrichterwesen ist. „Es gibt viele Vereine, die ihr Schiedsrichtersoll nicht erreichen. Das kann zu Punktabzug für die höchstklassig spielende Mannschaft des Vereins sowie zu Geldstrafe führen“, erklärt er.

Viele Vereine suchen dringend junge Menschen, die bereit sind, diese Aufgabe zu übernehmen.

Der Traum hat gerade erst begonnen

Auch beruflich hat Nick klare Vorstellungen. Nach dem Realschulabschluss möchte er das Abitur machen und anschließend Lehramt studieren.

Parallel will er jede Möglichkeit nutzen, sich als Schiedsrichter weiterzuentwickeln.

Er weiß, dass der Weg lang ist. Talent allein reicht nicht. Fitness, Disziplin, Erfahrung und auch etwas Glück gehören dazu.

Davon lässt sich der junge Chemnitzer nicht abschrecken.

Jedes Spiel ist für ihn ein weiterer Schritt in Richtung seines großen Traums. Und der beginnt jedes Wochenende aufs Neue – mit einem Pfiff im Mittelkreis.

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