Mit Ernst ...

Wort zum Sonntag

Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt! So mahnt ein altes Adventslied, und die Melodie des Liedes schlägt gemäßigte Töne an. Nichts da mit Froh-und-munter-sein und Leise-rieselt-der-Schnee. Im Gegenteil: Ein erwachsenes Adventslied, dem es ernst ist, wie es Erwachsenen auch oft ernst ist. Passt so ein ernsthaftes Lied überhaupt in die vorweihnachtliche Zeit? Ja! Nicht, weil Christen sowieso angeblich aller Fröhlichkeit misstrauen. Sondern: Wenn ich alten Adventsbräuchen nachspüre, dann verstehe ich diese Zeit immer mehr als eine Aufforderung zur Besinnung. Ich erfahre: Die Adventszeit ist wie eine Abendzeit. Da halte ich Rückschau: Wie geht es mir? Was ist gelungen, was liegen geblieben? Und voraus: Was erwartet mich? Was will ich? Eine alte Redensart nennt solches Nachdenken auch: Sein Haus bestellen. Damit ist zwar eher das Lebensende gemeint als das Jahresende, trotzdem halte ich das für eine spannende Parallele, denn auch das Adventslied spricht ja vom Bestellen. Aber während ich dort mein Haus bestelle, soll ich hier mein Herz bestellen. Das gefällt mir sogar besser: Erst das Herz und dann das Haus! Ich will ja auch selbst noch etwas davon haben.