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Mit Stalin-Hymnen auf die große Bühne

Nachwuchs Der BLICK begleitete die Jury der Schultheaterwoche zum Chemnitzer Schulmodell

Die wichtigste Frage stellte am Ende einer aufregenden Stunde die 13-jährige Lena: "Heißt das jetzt, das wir weiter sind?" Sechzig Minuten zuvor hatte Lena gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern der siebten Klassen des Chemnitzer Schulmodells begonnen, DDR-Fähnchen zu schwenken, Hymnen auf Genosse Stalin zu rezitieren oder Abkürzungen wie DEFA und EVP im Chor zu skandieren. Es war der Anfang eines Theaterstücks, das die Schüler des Schulmodells seit September im Theaterunterricht entwickeln: Es geht um die Deutsche Demokratische Republik, die die Jugendlichen nur noch aus Erzählungen von Eltern oder Großeltern kennen. Unter Anleitung von Theatermann Michael-Paul Milow nähern sie sich der DDR-Geschichte an: Viel eigene Recherche steckt dahinter - in Gesprächen, in Büchern, im Internet: "DDR - Paradies der Arbeiter oder Unrechtsregime?", fragen sich die Schüler - und setzen diese Frage in einem Theaterstück um: "Meine Eltern waren bei der Stasi", ist sich ein Junge in einer Szene sicher. Schließlich konnten sie ihn zeugen - wären Mutti und Vati Regimekritiker gewesen, hätten sie in geschlechtergetrennten Gefängnissen gesessen und sich nie begegnen können. Das Stück greift den früheren Pathos ebenso auf, wie es die nachträgliche Verteufelung aller Aspekte des DDR-Lebens infrage stellt: "Wir wollen hier keine musealen Effekte erzielen, sondern lieber fragen: wie bekloppt oder wie cool war das denn?", so Projektleiter Milow.

Am gestrigen Freitag zeigten sie die ersten Teile ihres noch namenlosen Stücks vor der Jury der Chemnitzer Schultheaterwoche. Die ist derzeit wieder in der gesamten Region unterwegs, um sich Schulinszenierungen anzusehen und die besten für die 16. Schultheaterwoche Ende März am Chemnitzer Schauspielhaus auszuwählen. "Wir besuchen 27 Einrichtungen und schauen 30 Stücke an", erklärt Jurymitglied Heike Vieth, Theaterpädagogin der Theater Chemnitz, den CSM-Schülern. Etwa zwei Dutzend davon werden zum Finale eingeladen. Welche das sein werden und ob die Stückentwicklung der Siebtklässler des Schulmodells dabei ist, wird sich erst Ende Januar entscheiden - bis dahin muss Lena auf die Beantwortung ihrer Frage noch warten.