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Nächster Halt: in zwölf Jahren

Bahn Fehlende ICE-Anbindung bleibt weiter Nachteil für den Wirtschaftsstandort Chemnitz

Tolle Räume, stadtnah für kleines Geld: eigentlich könnte die Seltenerden AG mit ihrem Standort Chemnitz zufrieden sein. Die Firma, die Rohstoffvorkommen im Erzgebirge und der Region erkundet und erschließen will, geht dennoch weg, und zwar nach Leipzig. "Solche großen, billigen und stadtnahen Lagerräume findet man in keiner anderen Stadt, aber ich muss beruflich viel reisen", erklärt Geschäftsführer Dr. Jörg Reichert, "und die Fernverkehrsanbindung ist für meine Belange einfach ungeeignet." So steht der Umzug in die wesentlich besser angebundene Messestadt bereits nächsten Monat an.

Besonders für die Wirtschaft ist die fehlende Infrastruktur ein Nachteil und ständiges Ärgernis. Der Vergleich indes erscheint ein wenig unfair, den Niles-Simmons-Chef Hans J. Naumann da zog: China habe in sechs Jahren 8.000 Kilometer Schnellzugtrassen gebaut, die Elektrifizierung der 80 Kilometer zwischen Chemnitz und Leipzig wird aber noch mindestens zwölf Jahre dauern. Die zwölf Jahre bis zum nächsten ICE-Halt in Chemnitz sind dabei noch optimistisch gerechnet: Sie gelten nur, wenn niemand gegen die geplante Streckenführung klagt und der Bund die Baugelder rechtzeitig bereit stellt. An dem Punkt ist die Fernbahnverbindung zwischen Chemnitz und Leipzig aber noch längst nicht angekommen. Die vom sächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministers Sven Morlok vorgestellte Studie sieht eine Trassenführung über Geithain vor. Dafür seien teilweise ein zweigleisiger Ausbau sowie Spurplananpassungen notwendig. Erreicht werden könnte mit der neuen Trasse eine Fahrzeit von 50 Minuten zwischen Chemnitzer und Leipziger Hauptbahnhof. Fahrplanmäßig sei angedacht, dass ICE-Züge aus Nord- oder Süddeutschland nach Leipzig dort "geflügelt" würden - ein Teil könnte nach Dresden, der andere nach Chemnitz weiterfahren. Die Projektkosten bezifferte Morlok auf rund 250 Millionen Euro - Geld, das überwiegend vom Bund kommen müsste. Dafür braucht das Projekt ein gutes Ranking im nächsten Bundesverkehrswegeplan. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig forderte die Runde hochrangiger Chemnitzer dazu auf, die diesbezügliche Lobbyarbeit zu verstärken. mic/vtz