Nachbarschaft gleich mitgebracht

Projekt Brühl-Pioniere sanieren Gebäude im Karree sechs

Die wechselhafte Geschichte des Brühls schreibt ein weiteres Kapitel: 20 Privatleute haben sich kürzlich zur Genossenschaft "Brühl-Pioniere i.G." zusammengeschlossen, um ein Haus im Karree sechs auf Vordermann zu bringen. "Die ganze Geschichte beginnt eigentlich schon vor drei Jahren", holt Holm Krieger vom Vorstand aus. Damit verdeutlicht er, was Investoren auf dem Brühl mitbringen sollten: Durchhaltevermögen und Flexibilität. "Banken, Eigentümer und Stadt von unserem Vorhaben zu überzeugen war nicht einfach. Letztendlich haben sie uns aber ihr Vertrauen geschenkt", freut sich Krieger. Eine Genossenschaft habe dabei den Vorteil, dass sich die Verantwortung auf mehrere Mitglieder aufteile. "So steuert jeder finanziell bei, was er kann." In Zahlen heißt das: Insgesamt 700.000 Euro werden für die Sanierung in die Hand genommen. Damit sie bereits im kommenden August in das seit 20 Jahren leerstehende Gebäude einziehen können, gibt es gleich von mehreren Seiten Unterstützung: "Mit dem kürzlich eröffneten Brühl-Büro haben wir einen guten Draht zur Stadt. Hilfe erhalten wir zudem von einem Planungsbüro. Es muss nur jemand anfangen, Idealismus an den Tag zu legen, dann ziehen andere nach." Ob das Projekt zu einer nachhaltigen Belebung des Brühls beisteuern könne, wagt Holm Krieger noch nicht zu beurteilen. "Urbanes Leben entwickelt sich dort, wo Menschen flanieren", sagt Krieger und verweist auf den Kaßberg als Beispiel. "Aber im Rahmen des Mehrgenerationen-Projektes bringen wir unsere Nachbarschaft gleich mit", so der 37-Jährige. In diesem Sinne verstehen sich die Brühl-Pioniere auch als Vorreiter. "Eine Belebung ist nur dann möglich, wenn jeder das Leben über die Grenzen seiner Wohnung hinaus mit gestaltet."