Neue Ausstellung im smac: Besondere Lebenswege

Biografien jüdischer Familien aus Chemnitz entdecken

Chemnitz

Das landesweite Themenjahr „Tacheles“ stellt jüdische Kultur, jüdisch-sächsische Geschichte und heutiges jüdisches Leben in den Mittelpunkt und bietet in allen sächsischen Regionen und Landkreisen ein umfangreiches Veranstaltungsangebot an.

Im Sächsischen Museum für Archäologie, kurz smac, wurde dazu jetzt die Ausstellung „Threads – Verflechtungen“ eröffnet. Die Schau zeigt die Netzwerke und Lebenswege von 25 ehemals in Chemnitz beheimateten jüdischen Familien.

Vier Ausstellungen in Chemnitz gehören zum Projekt

Sie setzt ihre Biografien zueinander in Beziehung und ist eine von vier korrespondierenden Ausstellungen, die in Chemnitz präsentiert werden:

Das Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz zeigt bis zum 30. August „Threads: Mobile Erinnerungen – Eine jüdische Familie blickt zurück“, die Kunstsammlungen am Theaterplatz eröffnen am 29. Mai „Eine unvollendete Geschichte – Die Kunstsammlung von Lola und David Leder in Chemnitz und das Industriemuseum präsentiert ab 5. Juni „Erfolgsspuren. Jüdische Unternehmer in Chemnitz“.

Stadtplan zeigt jüdisches Leben in Chemnitz

Im smac führt ein Stadtplan von Chemnitz aus dem Jahr 1930, der die Wohn- und Wirkungsorte jüdischer Familien verortet, die Besucher in die Ausstellung ein.

An der dahinterliegenden Wand bilden Verbindungslinien zwischen den 25 Familiennamen das Netzwerk auf privater und geschäftlicher Ebene ab.

Wohnung der Familie Goeritz als zentrales Element

Vom Einführungsbereich aus betreten die Besucher das zentrale Element der Ausstellung: die „Wohnung“ von Karl und Irmi Goeritz in der Hoffmannstraße in Chemnitz.

Stellwände zeigen großformatige Innenaufnahmen der Wohnzimmereinrichtung und sind lose zu einem Raum-im-Raum gestellt. In Texten und Fotos wird hier das Schicksal der Familie Goeritz dargestellt.

Biografien und persönliche Erinnerungsstücke

Durch die offenen Raumecken gelangen die Besucher zu Modulen, an denen die Biografien der 24 anderen jüdischen Familien skizziert und Leihgaben der Nachkommen präsentiert werden.

Einige Pfeiler zeigen zudem Orte in Chemnitz, die zum gesellschaftlichen Leben dazugehörten, wie der jüdische Friedhof, die Synagoge und das Kaufhaus Tietz. Die Module wirken roh und provisorisch, bestehen aus Holzfaserplatten, die von Aluminiumprofilen gehalten werden.

Werkstatt-Charakter soll Wissenslücken verdeutlichen

Der Werkstatt-Charakter soll die Unvollständigkeit des Wissens über die Schicksale vieler jüdischer Menschen verdeutlichen.

Die Nachkommen der Familien stellten der Ausstellung Fotos und persönliche Gegenstände zur Verfügung. Die Objekte zeugen vom einstigen Familienglück, der starken Verbundenheit zur Stadt Chemnitz und von dem tiefen Schmerz, der bis in die nächsten Generationen hineinwirkt.

Die Ausstellung ist bis zum 26. Juli im smac zu sehen.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich