Neues Gesicht für die "Bazillenröhre"

Siegerentwurf Lichtkonzept und Schriftzug sollen Tunnel besonders machen

Die Fußgängerunterführung unter dem Hauptbahnhof, zwischen Mauerstraße und Dresdner Straße, ist unter Chemnitzern nicht ohne Grund als "Bazillenröhre" verpönt. Zumindest dem jetzigen Aussehen nach, macht das Bauwerk keinen "gesunden" Eindruck. Vor allem vom Stadtteil Sonnenberg wurde Kritik geäußert, dass das Bauwerk "kein schönes Bild mehr abgibt" und "ein ungutes Gefühl bei der Durchquerung vermittelt". Das sagte Bau-Bürgermeister Michael Stötzer bei der Vorstellung des Siegerentwurfs zur Umgestaltung des Tunnels vergangene Woche.

Etwa 30 Akteure vom Sonnenberg, Vertreter aus Stadtverwaltung, Energieversorgung, der Bahn, Stadträte und interessierte Bürger fanden sich zu insgesamt drei Workshops zusammen, um über mögliche Lösungen zu diskutieren. Drei Künstler und Architekten erarbeiteten dafür Ideen mit vor allem Lichtinstallationen. Diese sollen dazu beitragen, den Tunnel als "angstfreien, angenehmen und emotional positiv aufgeladenen Raum wahrzunehmen", wie es die Stadt formuliert. Der Entwurf der Chemnitzer Künstlerin Anke Neumann wurde schließlich als bester erachtet. Auf beiden Seiten des Gewölbes, am Ansatz, sollen demnach LED-Leuchten angebracht werden, welche die weiße Decke erhellen. "Das Licht soll nicht genau von oben kommen. Es soll aussehen, als wenn man draußen langläuft", erklärt Neumann, die selber auf dem Sonnenberg wohnt und den Tunnel regelmäßig nutzt. Abwechselnd soll warmes und kaltes Licht mit einigen farbigen Streifen einen Lichtrhythmus im Tunnel schaffen, der für eine optische Verkürzung der 220 Meter langen Röhre sorgt. Außerdem soll, so die Idee der Künstlerin, ein Liedzitat der Chemnitzer Band "Kraftklub" den Durchgang schmücken: "Ich wär' gern weniger wie ich. Ein bisschen mehr so wie du". Ob es letztendlich genau diese Zeilen werden, weiß Neumann heute noch nicht zu sagen. Geplant ist, dass sich die Buchstaben über die gesamte Länge der Wand hinziehen und angeleuchtet werden. Bevor der Entwurf realisiert werden kann, muss sich mit Detailfragen seiner Umsetzung beschäftigt werden. Wände, Boden und Decke müssen auf jeden Fall gereinigt und neubehandelt werden, führt Bürgermeister Stötzer aus. Er betont, dass es der Künstlerin gelungen ist, mit wenig Materialeinsatz viel zu erreichen. Das, so die Antwort Neumanns, habe man ja in der DDR gelernt. Für das ganze Projekt stehen, laut Stötzer, 100.000 Euro bereit.