Personalmangel: Klassenräume bleiben leer

Bildung Auswirkung des Lehrermangels auch in Chemnitz zu spüren

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Leere Klassenzimmer sind die Folge des steigenden Unterrichtsausfalls. Foto: pixelio/Mandfred Jahreis

Die Schüler im Freistaat Sachsen hatten im vergangenen Jahr weniger Unterricht - allerdings unfreiwillig. Wie das Kultusministerium jetzt bekanntgegeben hat, ist der Unterrichtsausfall im gesamten Freistaat von 3,6 Prozent im Schuljahr 2015/16 auf 4,6 Prozent im ersten Halbjahr des laufenden Schuljahres gestiegen.

In Chemnitz sollen besonders Fächer wie Musik, Kunst, Sport und Werken sowie der Förderunterricht betroffen sein. Zum Ausfallproblem erklärt Lutz Steinert, Sprecher der Sächsischen Bildungsagentur in Chemnitz: "Lehrer werden heute genauso oft krank, fahren auf Fortbildung, auf Klassenfahrten oder sie streiken, wie das immer war. Allerdings werden die Möglichkeiten unserer Schulen zunehmend eingeschränkt, auf derartige Ausfälle zu reagieren."

Heutzutage gebe es nicht mehr so große Reserven wie früher, so Steinert weiter. "Früher hatten Schulen einen größeren Ergänzungsbereich an Lehrern, der den Unterricht abgesichert hat", sagt der Sprecher. Aber mit der zunehmenden Personalnot durch den Lehrermangel werde der Bereich immer mehr ausgereizt.

Gegenmaßnahmen

Im Sächsischen Wissenschaftsministerium, das für die Universitäten und damit für die Ausbildung der Lehrer zuständig ist, will man gegensteuern. Die Anzahl der Studienplätze für Pädagogen ist zuletzt von 1700 auf 2000 gestiegen - über alle Schularten hinweg, erklärt Andreas Friedrich vom Wissenschaftsministeriums. Außerdem sollen weitere 375 Lehrerstellen geschaffen werden, insbesondere für Oberschulen und Gymnasien, wofür die Universitäten in Dresden und Leipzig vorgesehen sind.

An der TU Chemnitz werden gegenwärtig nur Grundschullehrer (120) ausgebildet - das ist unbefriedigend, findet eine Initiative aus Unternehmern und Politikern um IHK-Chef Hans Joachim Wunderlich. Sie fordern, dass in Zukunft an der Chemnitzer Uni auch Berufsschullehrer und Oberschullehrer ausgebildet werden. Doch Wissenschaftsministerin Eva Maria Stange (SPD) hat der Forderung bislang eine Absage erteilt.

Nun hofft man in Chemnitz auf Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der durch ein Positionspapier zum Handeln aufgefordert wurde. Mitte April soll es weitere Gespräche geben.