Pflegekosten: Auch privat beschäftigte Pflegekräfte sind kein Allheilmittel

Mit mehr als 3.000 Euro pro Monat hat die Eigenbeteiligung an den Pflegekosten in Heimen im Jahr 2025 einen traurigen neuen Rekord erreicht. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sehen sich damit enormen finanziellen Belastungen gegenüber. Viele betroffene Familien beschäftigen daher selbst Pflegekräfte aus dem Ausland. Doch wie sicher ist das?

Das Pflegesystem steht vor einer historischen Herausforderung, denn bis 2035 könnte die Zahl der Pflegebedürftigen um bis zu 40 Prozent steigen, während gleichzeitig immer mehr Pflegeheime schließen. Bis 2034 werden schätzungsweise 160.000 Pflegeheimplätze fehlen.

Die gesetzliche Rente ist in ihrer Höhe schon längst nicht mehr "sicher" und die Kassen sind angesichts der zunehmenden Schieflage zwischen Beitragszahlern und Beitragsempfängern leer. Gleiches gilt für die gesetzliche Pflegeversicherung.

Große Pflegelücke: Wer hat schon monatlich mehr als 3.000 Euro übrig?

Das hat direkte wirtschaftliche Folgen: Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Pflegekosten. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen den Eigenanteil an den Pflegeheimkosten daher selbst tragen - etwa mit der Rente oder dem Ersparten. Doch viele können das nicht, da sie nicht über entsprechend hohe Alterseinkommen oder Kapitalerträge verfügen. Als Alternative zum Pflegeheim bleibt vielen Familien daher nur die Pflege zu Hause: Laut Erhebungen des Statistischen Bundesamts werden vier von fünf Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause gepflegt.

"Selbstanstellungs-Modell" boomt - birgt aber einige Gefahren

Was auf den ersten Blick wie verwandtschaftliche Nächstenliebe aussieht, ist in der Praxis zermürbend - vor allem für die Pflegenden. Sie haben keine Ausbildung zur Pflegerin bzw. zum Pfleger, überfordern sich und die Patienten, opfern ihre eigene Karriere und damit ihre Einkommenschancen und enden sehr häufig in Überforderung bis hin zum Burn-out.

Viele entscheiden sich daher früher oder später für einen dritten Weg: Sie stellen eine Betreuungskraft, meist aus dem Ausland, direkt an. Damit verbinden sie die Hoffnung auf eine einfache Lösung, die im Vergleich zu einem Platz im Pflegeheim wesentlich komfortabler ist. "Doch diese vermeintlich schnelle Lösung kann erhebliche Risiken mit sich bringen - von rechtlichen Unsicherheiten bis hin zu fehlender Absicherung für die Beschäftigten", warnt Arun Ananth. Der Geschäftsführer des Deutschen Pflegehilfswerks weiß aus eigener familiärer Betroffenheit, wie es ist, wenn man dringend auf gute und zugleich bezahlbare Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen angewiesen ist. Aus dieser Erfahrung heraus gründete er das Deutsche Pflegehilfswerk, um bedürftige Familien und qualifizierte 24-Stunden-Betreuungskräfte zusammenzubringen. Ananth betont uns gegenüber: "Sichere Alternativen bieten spezialisierte Agenturen, die legale und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen."

Pflegeheim Bildquelle: Gerd Altmann via pixabay

Aus Ananths Sicht sind drei Punkte besonders wichtig: ein objektiver Kostenvergleich, die Betrachtung möglicher Risiken und Strafen und der Schutz vor unseriösen Angeboten. Beim Kostenvergleich rät er die tatsächlichen Kosten einer direkten Privatanstellung der Betreuungskraft zu berechnen und diese mit den Kosten eines Pflegeheims sowie seriöser Vermittlungsagenturen zu vergleichen. Zudem weist er auf die damit verbundenen Risiken und drohenden Strafen, wenn Privatleute zu Arbeitgebern werden und dabei bewusst oder unbewusst in eine der zahlreichen Fallen des deutschen Sozialversicherungs- oder Steuerrechts tappen. Ananth sagt: "Das sogenannte Selbstanstellungs-Modell für Familien könnte im schlimmsten Fall zu hohen Nachzahlungen, zu arbeitsrechtlichen Konflikten bis hin zu Bußgeldern führen."

Arun Ananth: "Die steigenden Heimkosten bringen immer mehr Familien an ihre Grenzen. Um die Situation zu bewältigen, stellen viele selbst Pflegekräfte aus dem Ausland ein. Damit Pflege bezahlbar, würdevoll und tragfähig bleibt, braucht es aber vor allem politische Lösungen. Ohne entschlossenes Handeln drohen immer mehr Familien in echte finanzielle und organisatorische Not zu geraten." In Zukunft wird es noch schwieriger werden, passende Betreuungslösungen zu finden. Deshalb braucht es dringend politische Weichenstellungen, damit Pflege für alle Beteiligten bezahlbar, würdevoll und nachhaltig bleibt.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich