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Politik soll Betreuungsschlüssel ändern

Prominenz Ministerpräsident Tillich traf auf die pädagogische Praxis im Kinderhaus in Adelsberg

Es herrschte eine ungewohnt populäre Atmosphäre, als gestern hoher Besuch aus der sächsischen Regierung ins Kinderhaus EvaLu nach Adelsberg kam. "Eigentlich geht es bei uns immer recht familiär zu, unsere Kinder kennen jeden Erzieher", erzählte Kinderhausleiterin Ulrike Pauli. Gefremdelt haben die Jungen und Mädchen beim Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich allerdings nicht. Offen stellten sie ihm Fragen und forderten ihn sogar auf, in einer anderen Sprache mit ihnen zu reden. "Meine Muttersprache ist Sorbisch, das klingt dann in etwa so", legte Tillich los und offenbarte seine Sprachkünste. "Warum der Ministerpräsident ausgerechnet unser Haus für seinen Besuch ausgewählt hat, weiß ich gar nicht", sagte Pauli, die sich aber darüber freute, einmal direkt mit der Politik in Kontakt treten zu können. Die 2002 eröffnete Kindertageseinrichtung beherbergt derzeit 60 Kinder vom Krippenalter bis zur Vorschule. Das Gebäude ist baulich auf dem neuesten Stand, mit Erdwärme vom Boden und Solarenergie vom Dach. "Trotzdem haben wir unsere Sorgen hier", sagte Christoph Schubert vom Kirchenvorstand. Die Politik müsse dringend etwas am Betreuungsschlüssel in Kindertageseinrichtungen tun. Im Kinderhaus EvaLu kommt auf sechs Krippenkinder und 13 Kitakinder jeweils ein Betreuer. "Das ist zu wenig. Uns fehlt Zeit für Vor- und Nachbereitungen", kritisierte Ulrike Pauli. Ihr Ziel sei es, dass die Kinder in ihrem Haus intensive Bindungen zu den Erziehern haben. Das könne aber nur mit genügend Zeit erreicht werden. "Wir haben fünf Kinder. Alle waren beziehungsweise sind im Kinderhaus EvaLu untergebracht", erzählte Mathias Walter, ein Vater aus Adelsberg. Eben das Familiäre sei es, das er an der Einrichtung schätze. "Das darf nicht durch zu wenig Zeit der Erzieher verloren gehen", betonte er.