Politiktheorie als Theaterstück

Premiere Chemnitzer Uraufführung zeigt den Kampf der Kulturen

Im Jahr 1996 veröffentlichte ein amerikanischer Politikwissenschaftler das Buch "Clash of Civilizations" - Kampf der Kulturen. In der ebenso populären wie kritisierten Schrift prognostizierte er der Welt nach Ende des Kalten Krieges künftige Konflikte nicht mehr zwischen politischen Systemen, sondern zwischen Kulturräumen. Der Westen stehe dann gegen China oder den islamischen Raum, lautete eine dieser Vorhersagen. Dass diese Überlegungen im inzwischen 21. Jahrhundert zwar teilweise eintrafen, aber dabei völlig unterkomplex gedacht waren, sehen wir heute, wo die USA sich mit China recht gut verstehen und die Gruppierungen des islamischen Raums hauptsächlich untereinander Kriege führen. Dass im Stoff auch und gerade in unserer Gegenwart noch genug Brisanz liegt, sah Regisseur und Schauspielhausdramaturg René Schmidt. Mit seinem Team nahm er sich der ungewöhnlichen, politiktheoretischen Vorlage an und zeigt am morgigen Donnerstag eine daraus entstandene Uraufführung unter dem Titel "Clash of Civilizations" im Ostflügel des Chemnitzer Theaters. Es handelt sich dabei um eine Stückentwicklung, um das Ergebnis eines Schaffensprozesses ohne dramaturgische Vorlage, erarbeitet mit den Spielern Lysann Schläfke, Christian Ruth und Dominik Förtsch. Das Stück stellt die Frage danach, welche Haltungen und Gedanken eine These vom "Kampf der Kulturen" erzeugt. Es begibt sich auf die Suche nach geopolitischen Wechselwirkungen und will durch mitunter kontroverse theatrale Mittel in "schwarze Löcher" aktueller Diskussionen vorstoßen. Publikumsgespräche im Anschluss an jede Vorstellung (außer der Premiere) bieten einen ergänzenden Rahmen für das komplexe Thema.