Potemkinsche Künstler im Kulturpalast

Festival Die Begehungen zeigen internationale Kunst in der leeren Spielstätte

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Maß nehmen: Guillermo Álvarez-Charvel wird bei den "Begehungen" an dieser Wand großformatige Zeichnungen anbringen. Foto: Michael Chlebusch

Im "Institut Potemkin" bröckelt die Fassade. Schon seit der Jahrtausendwende ist der Chemnitzer Kulturpalast weitgehend dem Verfall preisgegeben. Der einst pompöse Palast ist damit reif für das Chemnitzer Kunstfestival "Begehungen", das sich der Belebung brach liegender Orte verschrieben hat.

Mit dem ehemaligen Fernsehstudio des DDR-Fernsehens und später MDR fanden die Begehungen in diesem Jahr einen beeindruckenden Ort. Dort zeigen von Donnerstag ab 18 Uhr bis zum Sonntag 26 Künstler aus 14 Ländern ihre Werke. Sie wurden aus 450 Bewerbungen ausgewählt, vier erhielten als Artist in Residence ein einmonatiges Aufenthaltsstipendium in Chemnitz.

Dieser Künstler ist mit dabei

Einer der Artists in Residence ist der Spanier Julio Anaya Cabanding, er spielt mit dem musealen Kontext und holt die Werke großer Meister als Repliken auf die Graffiti-Wände des Palastes. Damit stellt er die Frage nach der Wirkung einer Umgebung auf ein Kunstwerk. Auch der Mexikaner Guillermo Álvarez-Charvel, der für die Ausstellung großflächige Zeichnungen anfertigte, widmet sich einem großen Künstler. Álvarez' Bilder sollen auf der Basis von Skizzen zu Wandmalereien entstanden sein, die einst der bekannte mexikanische Maler Diego Rivera eigens für den Kulturpalast anfertigte, aber aufgrund von Krankheit nie zur Ausführung brachte.

Nach den Skizzen gefragt, habe der mexikanische Gast diese leider nicht dabei und führt die Geschichte somit zu einer spannenden potemkinschen Fragwürdigkeit, die sich für den Betrachter dem diesjährigen Motto des Festivals folgend an der Grenze zwischen Schein und Sein bewegt.

Apropos Grenzen: Nicht nur inhaltlich sollen diese bei den Begehungen überschritten werden. Auch in der Zugänglichkeit möchten die Organisatoren sie überwinden. So ist das Festival bedacht, auch in weiten Teilen für Rollstuhlfahrer zugänglich zu sein, bietet Programmpunkte in Gebärdensprache und ein Leitsystem samt Audioguide für Menschen mit Sehbehinderung an. Der Eintritt basiert wie immer auf Spendenbasis.