Protestanten

Wort zum Sonntag

Das war doch wieder einmal schön: Mitten in der Woche ein Feiertag. Während die Berliner und Hamburger arbeiten mussten, hatten wir frei. Leider waren die Läden zu, aber wer unbedingt shoppen wollte, konnte ja in die Hauptstadt fahren. Was gab es zu feiern am Mittwoch? Den Reformationstag. Vor genau 495 Jahren schlug ein bis dahin unbekannter Mönch seine Thesen an die Türen der Schlosskirche zu Wittenberg. Das ist zwar historisch nicht gesichert, aber die Neuformierung der Kirche nahm auf jeden Fall mit diesem Mann und seinem Denken Gestalt an. Seine Lehre: Der Gottlose hat eine Chance bei Gott, weil Gott selbst ihn zurückholt. Klingt schlicht, aber angesichts der damals üblichen Praxis, für das Wohlwollen Gottes mit Geld zu bezahlen, war das ein Skandal. Stellen wir uns vor: an jeder Ecke ein Laden, der das Heil für die Seele verkaufte. Die teuren Läden etwas besseres Heil, für die Armen gab es immerhin noch den Restpostenmarkt. Gottes Liebe war käuflich geworden. Verbunden mit der Angst vor Höllenqualen lief das Geschäft blendend. Die Kirche als Shopping-Mall. Martin Luther hatte viel gewagt, dagegen zu protestieren. Wer sich mit der Finanzwelt anlegt, hat immer schlechte Karten. Aber es gibt sie nun schon seit 495 Jahren: die Protestanten. Und bis zum großen Jubiläum sind noch 5 Jahre Zeit.