Die deutschen Innenstädte haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Wo einst ein reges Treiben herrschte, gibt es nun immer mehr leere Schaufenster. In den ehemals lebhaften Fußgängerzonen der Kleinstädte ist nur noch wenig los. Das Konsumverhalten der Menschen hat sich verändert und die Bedingungen für die ortsansässigen Geschäftsleute sind schlechter geworden. Doch wie damit umgehen, dass Geschäfte oder Filialen die Innenstädte verlassen?
Immer mehr Bank-Filialen schließen ersatzlos
Nicht nur im Einzelhandel baut immer mehr Geschäftsfläche ab. Auch Bankfilialen sind gleich aus mehreren Gründen von Schließungen betroffen. Banken betreiben nur noch wenige Anlaufstellen für ihre Kunden und bieten ihre Dienstleistungen überwiegend online an. Viele Banken legen immer größeren Wert auf die Digitalisierung ihres Geschäftes. Dabei steht im Fokus, dass die wichtigsten Angelegenheiten wie Überweisungen oder Überprüfung des Kontostandes per Banking-App erledigt werden können und weitere Service-Funktionen über die jeweilige Internetseite des Kreditinstitutes zur Verfügung stehen. Meist wird der Bankkunde inzwischen per Chatbots bedient und durch das Menü geführt, die bei Nachfrage schnelle Hilfestellungen geben.
Dennoch lassen sich nicht alle Finanz-Angelegenheiten per programmierter Bedienmaschine erledigen. Gerade bei komplexen Problemen und Fragen zu den eigenen Finanzen wünschen sich Menschen oft auch einen persönlichen und vor allem menschlichen Ansprechpartner bei seiner Bank. Dabei kann es Trost spenden, dass es diese immer noch gibt. Auch wenn die eigene Bank vielleicht im Ort keine Filiale mehr hat, kann man mithilfe des Internets meist ganz in der Nähe seines Wohnorts trotzdem den richtigen Finanzberater finden, mit welchem man vor Ort einen Termin ausmachen kann.
Leerstände flexibel nutzen
Immer mehr Menschen erledigen ihre Einkäufe bequem von zu Hause aus über das Internet. Dies hat zur Folge, dass in den Innenstädten deutlich weniger Geschäfte benötigt werden. Dennoch ist eine attraktive Innenstadt für viele wichtig. Eine Einkaufspassage bringt Leben in die Stadt und hat auch gesellschaftlichen Nutzen.
Deshalb ist es wichtig, entgegen dem Internettrend die Ladenflächen wieder attraktiv zu machen. Dies könnte unter anderem durch eine Senkung der Mieten geschehen oder durch neue Konzeptideen. Die Mietdauer kann bei Bedarf kurzgehalten werden, sodass es möglich ist, sich zunächst einmal auszuprobieren oder die Mietobjekte für zeitlich begrenzte Projekte zu nutzen. So entstehen unter anderem Pop-up-Stores, Co-Working-Spaces und temporäre Ausstellungen und beleben wieder die Innenstädte. Wichtig könnte es sein, sich nicht auf die ursprüngliche Art der Vermietung zu versteifen, sondern offen für Neues zu sein und sich flexibel an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Innenstädte für die Gemeinschaft
Neben dem Aussterben der lokalen Einzelhändler stellt in der modernen Welt auch die zunehmende Vereinsamung der Menschen ein Problem dar. Besonders ältere Menschen und Alleinlebende fühlen sich häufig einsam. Die Einsamkeit kann psychische Probleme wie zum Beispiel Depressionen hervorrufen.
Gemeinsam statt einsam. Bildquelle: Alexander Suhorucov via Pexels.
Aber auch zahlreiche Familien wünschen sich mehr Kontakte und Begegnungsmöglichkeiten für alle Altersgruppen. Damit die Bedürfnisse dieser Menschen erfüllt werden, könnten in den Innenstädten unter anderem Projekte ermöglicht werden.
So könnten Begegnungszentren und Nachbarschaftscafés mit kommunikativen Angeboten beim Kontakteknüpfen und gemeinsamen Austausch helfen. Auch Kultur- und Freizeitveranstaltungen für alle Altersklassen können die Menschen zusammenführen und unvergessliche Erlebnisse bescheren. Eine weitere Möglichkeit ist ein breites Angebot von Workshops und Kursen. Besonderes Augenmerk sollte auch auf Spiel- und Sportflächen gelegt werden. Durch Platz für ehrenamtliche Angebote können beispielsweise Reparaturwerkstätten oder Hausaufgabenhilfen entstehen.
Solche und weitere innovative Angebote sorgen dafür, dass mehr Menschen in der Stadt zusammenkommen. Neben dem offensichtlichen Vorteil dient die höhere Frequentierung der Innenstadt möglicherweise auch potenziellen Geschäftsbetreibern als Anreiz, hier doch noch einen passenden Laden zu eröffnen.
Grün für mehr Lebensqualität
Die Innenstädte wurden aufgrund der Urbanisierung immer weiter ausgebaut. Häufiges Resultat ist ein Meer aus Gebäuden, bei denen möglichst viele Bewohner, Unternehmen, Arztpraxen etc. auf wenigen Quadratmetern zusammenkommen.
Ehemalige Einkaufsstraßen könnten so aussehen. Bildquelle: jhnndy via pixabay
Dabei könnten grünere Innenstädte der Schlüssel zu mehr Lebensqualität sein. Durch Parks, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Gärten wird nicht nur das Stadtklima verbessert, sondern auch die Luftqualität erhöht und Lärm reduziert. Begrünte Aufenthaltsorte können ebenfalls das soziale Miteinander stärken und außerdem zur Erholung im hektischen Alltag einladen. Zudem tragen nachhaltige Stadtgestaltungskonzepte dazu bei, den Verkehrsraum zugunsten von Fußgängern und Radfahrern umzugestalten, was die Mobilität sicherer und umweltfreundlicher macht. Eine grüne Stadt ist somit nicht nur schöner, sondern auch gesünder und lebenswerter für ihre Bewohner.
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