"Qualitätssiegel auch zur Selbstreflexion"

Interview mit Sozialbürgermeister Philipp Rochold

Insgesamt 34 kommunale Kindertageseinrichtungen erhielten in diesem Jahr das Qualitätssiegel vom Amt für Jugend und Familie Chemnitz, womit seit 2011 eine erfolgreiche Bildungs- und Erziehungsarbeit gewürdigt wird. Bislang wurden 48 der 70 kommunalen Einrichtungen mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet. Sozialbürgermeister Philipp Rochold klärt im BLICK-Interview über die Auszeichnung auf.

Wie erhalten Kitas das Qualitätssiegel?

Die Bemessung der Qualität orientiert sich maßgeblich am Bundesprojekt zum "Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen". Zu den Bewertungskriterien zählen zum Beispiel die Formulierung und Umsetzung pädagogischer Konzepte, die Stärkung der Zusammenarbeit mit Eltern und Stadtteilen und die Beachtung der Individualität. Jede Einrichtung führt zudem ein Qualitätshandbuch, in dem Zielvereinbarungen festgehalten und Bildungsprozesse dokumentiert werden.

Kann pädagogische Qualität überhaupt objektiv gemessen werden?

Für die Be- und Auswertung werden externe Feststellungsverfahren genutzt, für deren Anwendung Fachberaterinnen entsprechend ausgebildet wurden. Diese Bewertungen sind nahezu objektiv und vergleichbar mit der ISO-Norm 9000, einem Messverfahren für Qualitätsmanagementsysteme.

Wodurch hebt sich das Chemnitzer Qualitätssiegel von anderen Bewertungsverfahren ab?

Das Qualitätssiegel ist als Prozess zu verstehen. Die Kitas werden also nicht nur am Tag der Präsentation ihrer Arbeit bewertet, sondern das ganze Jahr über begleitet. Zudem beobachten wir, dass damit oftmals auch gruppendynamische Prozesse angestoßen werden. Das heißt, die pädagogischen Fachkräfte setzen sich für die angestrebte Auszeichnung intensiv mit ihrer geleisteten Arbeit auseinander und führen sich somit selbst vor Augen, was sie täglich leisten. Das Siegel hat also einen positiven Nebeneffekt: die Selbstreflexion.

Und Eltern bekommen gleichzeitig eine Entscheidungshilfe?

Die Wahl der Kindertageseinrichtung ist von mehreren individuellen Faktoren abhängig. Die Auszeichnung sollte nur einen kleinen Teil zum Entscheidungsprozess beitragen. Die Einrichtungen erhielten das Qualitätssiegel übrigens in Form einer Urkunde und eines Schildes, das am Eingang der gewürdigten Einrichtungen angebracht wird. Das langfristige Ziel ist es, alle Einrichtungen für diese Auszeichnung zu motivieren.