Rekord geknackt - Heavy24-Sieger begeistert von Chemnitz: „So eine Stimmung habe ich noch nie erlebt“

Mit 58 Runden und neuem Streckenrekord gewann der Ultraradsportler Lukas Kaufmann das Heavy24 in Chemnitz. Im Interview spricht er über schmerzhafte Momente, Dankbarkeit – und warum für ihn jeder Teilnehmer bereits ein Sieger ist...

Chemnitz

58 Runden, ein neuer Streckenrekord und der Sieg beim Heavy24: Sportlich hätte das Debüt des Ultraradsportlers Lukas Kaufmann in Chemnitz kaum besser laufen können. Doch was ihn am meisten beeindruckte, waren nicht die Zahlen auf dem Tacho, sondern die Menschen entlang der Strecke.

„Ich bin schon 24-Stunden-Rennen in Österreich, Deutschland und Amerika gefahren. So eine gute Stimmung wie beim Heavy24 mitten in der Nacht, mitten im Wald, habe ich noch nie erlebt“, sagt der Sieger. Besonders die Fans im Heavy-Camp und die Organisatoren hätten bei ihm bleibenden Eindruck hinterlassen. „Alle waren super freundlich und man merkte, dass die Organisationsmannschaft alles mit großer Liebe gemacht hat.“

Sein Versprechen steht bereits: „Ich komme bestimmt wieder – spätestens, wenn jemand meinen Streckenrekord knackt.“

Hitze, Müdigkeit und lange Stunden

So souverän der Sieg am Ende auch wirkte – einfach war das Rennen keineswegs. Gleich mehrere Phasen brachten den Ausdauersportler an seine Grenzen.

Die erste Krise kam schon nach wenigen Stunden. „Es war extrem heiß und mein Kopf fühlte sich an, als würde er in einer Sauna stecken“, erinnert er sich.

Die zweite folgte in den frühen Morgenstunden zwischen drei und vier Uhr. „Da habe ich mich riesig gefreut, als es endlich wieder heller wurde.“

Und schließlich zogen sich auch die letzten Rennstunden endlos hin. „Die vergehen gefühlt immer sooooo langsam.“

Dankbarkeit gibt ihm Energie

Der Sieger spricht offen darüber, dass sein Weg zum Spitzensport nicht geradlinig verlief. Als Jugendlicher kämpfte er mit Übergewicht und Rückschlägen. Geblieben sei bis heute vor allem eines: die Liebe zum Essen.

„Nach einem 24-Stunden-Rennen kann man einige Tage unglaublich viel essen und nimmt trotzdem nicht zu, weil der Körper die Energie zur Erholung braucht“, erzählt er mit einem Lächeln.

Noch wichtiger ist ihm jedoch ein anderes Thema: Dankbarkeit.

„Ich bin dankbar, dass ich in Chemnitz mitfahren durfte, dass ich nicht gestürzt bin, dass die Verpflegung funktioniert hat und dass mein Betreuer mich so gut unterstützt hat. Wenn das wirklich von Herzen kommt, kann man aus Dankbarkeit unglaublich viel Energie gewinnen.“

Zwei Momente bleiben

An welche Bilder wird er sich auch in zehn Jahren noch erinnern?

Die Antwort kommt sofort.

„Die Disco um Mitternacht mitten im Wald und die Stimmung bei meiner Zieleinfahrt.“

Für den Rekordsieger sind genau diese Momente das, was das Heavy24 so besonders macht.

Warum jeder Starter schon gewonnen hat

Bereits vor dem Rennen hatte der Sieger die Zuschauer gebeten, besonders die langsameren Fahrer anzufeuern. Dahinter steckt für ihn eine Überzeugung, die weit über den Sport hinausgeht.

„Im Ultracycling lernt man, dass man alles erreichen kann. Viele Menschen haben Angst vor neuen Herausforderungen und bleiben lieber in ihrer Komfortzone.“

Deshalb habe jeder, der überhaupt an den Start geht, bereits etwas Großes geschafft.

„Ich freue mich über jeden Starter, der sagt: Ich fahre auch mit. Er ist schon ein Gewinner – denn 99 Prozent der Menschen starten gar nicht erst.“

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