Religion und Gewalt

Wort zum Sonntag von Peter Beier, Pfr.i.R.

Mit Entsetzen, Trauer und Wut reagieren wir auf die Nachrichten, die uns aus dem Nahen Osten immer wieder erreichen. Was durch Kreuzzüge und Inquisition das mittelalterliche Europa einst bestimmt hat, ist in unseren Tagen in Ländern wie Syrien und dem Irak wieder bittere Realität: die zu Gewalt und Terror missbrauchte Religion.

Davon veranlasst, haben Politiker und Parteiführer bei uns erneut voller Leidenschaft gefordert, dass Menschenwürde und Menschenrecht über allem stehen muss, auch über der Religion. Ich habe bei dieser Forderung mich erinnert, dass schon Jesus sich davon hat leiten lassen. Der Mensch, sein Wohl, sein Heil, standen für Jesus über den heiligen Büchern. Wenn es galt für einen Menschen in seiner Not da zu sein - und dazu gehörten besonders auch die andersgläubigen Fremden im Land - setzte er sich über geheiligte Vorschriften hinweg, half und fügte hinzu: "Ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen." (Mt.5.20) Darum verkündet uns das Fest der Geburt Jesu den Frieden auf Erden, denn wo Menschenwürde, wo Menschenrecht über allem steht, auch über der Religion, da wird Friede sein.

Peter Beier, Pfr.i.R.