Rücksitzfahrer leben gefährlich

Unfallanalyse Verletzungen durch Fehlverhalten und fehlende Airbags

Die Rücksitze sind die unsichersten Plätze im Auto. Das liegt einerseits an einer falschen Sitzposition der Mitfahrer, andererseits aber an einer gegenüber den Vordersitzen unzureichenden Sicherheitsausstattung. Das sind wesentliche Ergebnisse einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV), in der tatsächliche Unfälle analysiert und in einer Vielzahl von Simulationen Abläufe nachgestellt wurden. Darüber hinaus wurde in Befragungen und Feldtests Fehlverhalten auf den Rücksitzen ermittelt.

Obwohl die Rückbank nur selten besetzt ist, saßen bei den erfassten Unfällen immerhin zehn Prozent aller verletzten Pkw-Insassen dort. Wie die Untersuchungen ergaben, sind die hinten Sitzenden oft mit verantwortlich für ihre Verletzungen, da sie sich zum Unterhalten oder den Straßenverlauf besser sehen zu können, zur Seite oder nach vorn beugen und so dem Gurt keine Chance geben, sie optimal zu schützen. Wegen meist nicht vorhandener Höhenverstellung verläuft der Gurt am Hals entlang und wird dann oft aus Komfortgründen unter den Arm geklemmt. In einem Crashtest konnte gezeigt werden, dass der Gurt so keinen Schutz mehr bieten kann.

Der Umgang mit den vorhandenen Sicherheitseinrichtungen entsteht offenbar aus dem Glauben, dass die hinteren Plätze sicher sind: 75 Prozent der von der UDV befragten Personen gaben an, dass der Rücksitz genauso sicher oder sicherer sei als der Vordersitz. In der Unfallanalyse zeigte sich jedoch das umgekehrte Bild: Bei vergleichbaren Konstellationen fielen die Verletzungen auf den Rücksitzen zu 70 Prozent genauso schwer und zu rund 20 Prozent schwerer aus als auf den Vordersitzen. Aber selbst angeschnallt und in optimaler Sitzposition sind die hinteren Plätze unsicherer. Grund dafür ist, dass mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer in Verbindung mit einem Airbag auf den Vordersitzen Sicherheitsstandards eingeführt wurden, die auf den Rücksitzen nicht angeboten werden.

ampnet/dm