Sachsen erleben Abschiedsvorstellung der Rallye-WM in Deutschland aus Fahrersicht

Rallye-Wunderkind gewinnt die letzte Central European Rally

Chemnitz/Passau

2023 kehrte die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) nach vierjähriger Pause nach Deutschland zurück. Zuvor wurde die deutsche WM-Runde der tatsächlich weltbesten Autofahrer von 2002 bis 2019 in Rheinland-Pfalz und dem Saarland ausgetragen. Beim Comeback wartete man mit einem neuen Konzept auf. Unter dem Arbeitstitel Central European Rally wurde die Veranstaltung erstmals im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Österreich mit dem Dreh- und Angelpunkt Passau ausgetragen.

Doch nach drei optisch überaus erfolgreichen Veranstaltungen wurde der Vertrag zwischen dem gemeinsamen regionalen Veranstalter unter Federführung des ADAC mit dem WM-Promoter, nicht zuletzt aus Kostengründen, nicht verlängert, sodass vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag vorerst letztmalig hier gefahren wurde.

Rovanperä gewinnt nach Favoritensterben verdient

Nachdem der achtfache WRC-Champion Sebastien Ogier und dessen Co-Pilot Vincent Landais (FRA/FRA, Toyota GR Yaris Rally1) sowie die Vorjahresweltmeister Thierry Neuville/Martijn Wydaeghe (BEL/BEL, Hyundai i20 N Rally1) nach Havarien am Samstag- bzw. Sonntagvormittag vorzeitig aus dem Rennen um den Gesamtsieg waren, sicherten sich diesen die ebenfalls jedoch durchgängig im Vorderfeld agierenden Kalle Rovanperä/Jonne Halttunen (FIN/FIN, Toyota GR Yaris Rally1). Der 25-jährige Doppelweltmeister und mit 21 Jahren zugleich jüngste Rallye-Weltmeister in der Geschichte setzte sich mit seinem Co. beim zwölften von 14 Läufen zur Rallye-Weltmeisterschaft 2025 vor rund 100.000 Zuschauern gegen seine Markenkollegen Elfyn Evans/Scott Martin (GBR/GBR) sowie Ott Tänak/Martin Järveoja (EST/EST) durch.

In der Fahrer-Weltmeisterschaft rutschten die als Tabellenführer angereisten Ogier/Landais auf Platz zwei hinter die neuen Spitzenreiter Evans/Martin zurück. Die Briten führen mit nun 247 Punkten vor den punktgleichen Ogier/Landais und Rovanperä/Halttunen, die jeweils 234 auf dem Zettel haben.

Unfallpech beim WM-Gastspiel

Ihr vorerst letztes Heimspiel in dieser Form ließen sich auch einige deutsche Paarungen nicht entgehen. Eine davon bildeten Philip Geipel aus Plauen und Co-Pilotin Jennifer Lerch in der Klasse Rally2, schieden aber auf der 17. und somit vorletzten Wertungsprüfung nach einem Unfall aus.

In der gleichen Klasse belegte die im österreichischen Ehrwald beheimatete deutsche Rallye-Hoffnung Fabio Schwarz aus Bayern, der Sohn des Ex-WRC-Werksfahrers Armin Schwarz, und sein Co. Pascal Raabe den achten Rang bzw. gleichzeitig den sechsten in der Nachwuchs-WM-Kategorie WRC2.

In der Rally3 respektive der WRC3 belegte Claire Schönborn aus Löffelscheid in Rheinland-Pfalz und ihr erfahrener "Gebetbuchleser" Michael Wenzel die Plätze fünf bzw. vier.

Auch der vierfache Gesamtsieger der Rallye Erzgebirge (erstmals 1996!) Hermann Gaßner mischte noch einmal mit. Der mittlerweile 66-Jährige aus dem bayrischen Surheim mit der Österreicherin Natascha Vrga auf dem "heißen Sitz" musste sich von ursprünglich 13 Rally3-Teams und zehn Zielankömmlingen mit der zehnten Position begnügen. Drei Plätze vor ihm wurden sein Sohn Hermann Gaßner jr. und dessen Ehefrau Ursula Siebente.

Chemnitzer Brüder mögen's elektrisch

Eigentlich zwangsläufig, aber sehr gern, waren auch die Brüder Arwed und Aaron Jungnickel bei der Central European Rally 2025 am Start. Die in Sachsen etwas verstreuten Chemnitzer (Arwed lebt nach seinem Studium in Dresden nun auch arbeitsbedingt dort) hatten sich für dieses Jahr in den ADAC Opel Electric Rally Cup eingeschrieben, und dieser trug sein Saisonfinale im Rahmen der CER aus.

Im Feld der elf Stromer blieb für sie nur der zehnte und somit letzte Platz, nehmen aber in der Abschlusstabelle zumindest Rang neun ein.