Schlemmerhütte auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt: Wie es nach dem Abschied weitergeht
30 Jahre prägte er den Markt, viele Gäste sind nun verunsichert – der neue Betreiber Marcus Richter erklärt im Interview die Zukunft der Schlemmerhütte
Viele Besucherinnen und Besucher des Chemnitzer Weihnachtsmarktes bleiben in diesen Tagen einen Moment länger vor der Schlemmerhütte stehen. „Die letzte Roster“, sagen manche mit einem wehmütigen Lächeln. Foto: privat
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„Die letzte Roster“, sagen manche mit einem wehmütigen Lächeln. Doch was sich wie ein endgültiger Abschied anfühlt, ist in Wahrheit etwas anderes Foto: privat
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Wer heute an der Schlemmerhütte steht, merkt schnell: Hier wurde nichts überstürzt verändert. Rund 80 Prozent des bisherigen Teams arbeiten weiter am Stand, vertraute Gesichter sind geblieben, Abläufe eingespielt. Foto: privat
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Bernd Ebert blickt mit Stolz zurück. Und mit Ruhe. Seine Hütte lebt weiter – getragen von einem Nachfolger, der nicht nur wirtschaftlich denkt, sondern mit Herz. Foto: privat
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Auch das Sortiment ist dasselbe – Roster, Krakauer, Currywurst, Pfannenklassiker und vegetarische Gerichte in der Qualität, die Stammgäste seit Jahrzehnten schätzen. Foto: privat
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Bernd Ebert hat die Schlemmerhütte nicht „geschlossen“, sondern bewusst in gute Hände übergeben. Foto: privat
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Bernd Ebert hat die Schlemmerhütte nicht „geschlossen“, sondern bewusst in gute Hände übergeben. Foto: privat
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Marcus Richter: „Ich hoffe, dass die Schlemmerhütte auch die nächsten 100 Jahre bestehen wird. Foto: privat
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Und für alle, die gerade denken, sie würden zum letzten Mal hier stehen, gilt nur eines: Es schmeckt wie immer – und ihr dürft auch nächstes Jahr wiederkommen. Foto: privat
Chemnitz
Viele Besucherinnen und Besucher des Chemnitzer Weihnachtsmarktes bleiben in diesen Tagen einen Moment länger vor der Schlemmerhütte stehen. „Die letzte Roster“, sagen manche mit einem wehmütigen Lächeln. Doch was sich wie ein endgültiger Abschied anfühlt, ist in Wahrheit etwas anderes: Die Schlemmerhütte bleibt. Es geht weiter.
Rückzug des Betreibers nach drei Jahrzehnten aus gesundheitlichen Gründen
Nach über drei Jahrzehnten hatte sich der langjährige Betreiber Bernd Ebert aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Sein leiser Abschied bewegte viele – und ließ bei nicht wenigen den Eindruck entstehen, mit ihm verschwinde auch die traditionsreiche Hütte vom Weihnachtsmarkt. Genau das wollte Ebert vermeiden. Deshalb wandte er sich an die Redaktion – mit einem Wunsch, der von Herzen kommt: Danke sagen. Und Klarheit schaffen.
Ein Abschied mit Dank – und mit Vertrauen
Bernd Ebert hat die Schlemmerhütte nicht „geschlossen“, sondern bewusst in gute Hände übergeben. Bereits 2024 übernahm Marcus Richter den Stand, seit 2024 ist die Schlemmerhütte wieder fester Bestandteil des Chemnitzer Weihnachtsmarktes.
„Macht euch keine Sorge – es geht weiter“, sagt der neue Betreiber und nimmt damit vielen Gästen die Unsicherheit. Für ihn ist die Schlemmerhütte kein beliebiges Geschäft, sondern ein Stück eigener Geschichte.
Vom Stammgast zum Hüttenbetreiber
Marcus Richter wurde 1983 in Karl-Marx-Stadt geboren. Nach dem Abitur zog es ihn für ein BWL-Studium nach Tirol, wo er 2011 sein Diplom erwarb. Heute lebt und arbeitet er überwiegend in Österreich als selbstständiger Immobilienmakler, ist verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern.
Doch seine Verbindung zum Chemnitzer Weihnachtsmarkt – und zur Schlemmerhütte – reicht weit zurück. „Ich habe dort schon gegessen, da war ich zehn Jahre alt“, erzählt er. Später, ab 2012, kam fast täglich eine Roster dazu – zunächst als Gast, dann als Kollege auf dem Markt. Mit seiner eigenen Kiachl-Bäckerei wurde er Teil der Weihnachtsmarkt-Familie, lernte Bernd Ebert persönlich kennen, schätzen – und freundschaftlich verbunden sein.
Ein zufälliges Treffen im Jahr 2023, auf dem Weg vom Parkhaus zum Markt, wurde schließlich zum Wendepunkt. Ebert sprach von seinem Wunsch, kürzerzutreten. Für Richter war schnell klar: Diese Hütte darf nicht verschwinden.
Bernd Ebert hat die Schlemmerhütte nicht „geschlossen“, sondern bewusst in gute Hände übergeben. Foto: privat
Bewahren, was Generationen liebgewonnen haben
Wer heute an der Schlemmerhütte steht, merkt schnell: Hier wurde nichts überstürzt verändert. Rund 80 Prozent des bisherigen Teams arbeiten weiter am Stand, vertraute Gesichter sind geblieben, Abläufe eingespielt. Auch das Sortiment ist dasselbe – Roster, Krakauer, Currywurst, Pfannenklassiker und vegetarische Gerichte in der Qualität, die Stammgäste seit Jahrzehnten schätzen.
„Never change a running system...“, sagt Richter, „das komplette Sortiment bleibt bestehen...“ – in der gleichen Qualität wie zuvor. Und ergänzt behutsam Neues: Pulled Pork und Pulled Chicken mit Mango-Chutney, zubereitet mit der mehrfach ausgezeichneten Chemnitzer Metzgerei Gränitz. Eine Ergänzung, die gut ankommt, ohne die Seele der Hütte zu verändern.
Ein Vermächtnis, das weiterlebt
Für Marcus Richter ist klar, wem dieser Ort gehört – emotional wie historisch. „Ich danke Bernd dafür, dass er die Schlemmerhütte in den letzten drei Jahrzehnten zu dem gemacht hat, was sie heute ist“, sagt er. „Ich werde alles dafür geben, dass sie auch in Zukunft eine feste Größe auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt bleibt.“
Der Dank richtet sich aber auch an die Gäste: an all jene, die Jahr für Jahr wiederkamen, an Gespräche am Tresen, an vertraute Bestellungen ohne viele Worte. Genau dieses Gefühl soll bleiben.
Marcus Richter: „Ich hoffe, dass die Schlemmerhütte auch die nächsten 100 Jahre bestehen wird. Foto: privat
Kein Ende – sondern ein neues Kapitel
Bernd Ebert blickt mit Stolz zurück. Und mit Ruhe. Seine Hütte lebt weiter – getragen von einem Nachfolger, der nicht nur wirtschaftlich denkt, sondern mit Herz. Die Schlemmerhütte ist weiterhin das, was sie immer war: ein Treffpunkt, ein Stück Heimat, ein vertrauter Ort im Advent.
Oder, wie Marcus Richter es selbst formuliert: „Ich hoffe, dass die Schlemmerhütte auch die nächsten 100 Jahre bestehen wird.“
Und für alle, die gerade denken, sie würden zum letzten Mal hier stehen, gilt nur eines: Die Roster schmeckt wie immer – und ihr dürft auch nächstes Jahr wiederkommen.
Und für alle, die gerade denken, sie würden zum letzten Mal hier stehen, gilt nur eines: Es schmeckt wie immer – und ihr dürft auch nächstes Jahr wiederkommen. Foto: privat