Schneewittchen und die B-Note

Die BLICK-Reportage Besuch bei den Proben zum Eismärchen des CEC

Hinter der Bande geht es rund. Raben, Blumen, Zwerge und Schneeflocken wuseln durcheinander, Schneemänner stehen ganz und gar nicht starr. Mitten drin muss irgendwo Schneewittchen sein. An den Probetagen für das diesjährige Eismärchen des Chemnitzer Eislaufclubs herrscht in der Trainingshalle im Küchwald Hochbetrieb. Cheftrainerin Monika Scheibe tritt ans Mikrofon, bittet alle, Geduld und Ruhe zu bewahren. Die Ansage richtet sich mehr an die Eltern, die aufgeregter scheinen als ihre Kinder und oben auf der Galerie stehen ohne den Blick abwenden zu können.

Als erste gehen nun die Schneeflocken aufs Eis. Rund zwanzig Kindergartenkinder hat Elke Klippel, Leiterin des Kita-Projektes, dafür ausgewählt. Das jüngste ist gerade drei. Weiß gewandet und hoch konzentriert beginnen sie ihre Vorführung - mehr Schneekristalle denn bloße Flocken. Dass manche Mama oder Papa kräftig in die Kostüme investiert haben, ist unübersehbar. "Sie werden unendlich stolz sein, wenn sie die Auftritte ihrer Kinder im Publikum verfolgen", weiß Organisationschefin Ines Eichhorn, "und die Kinder werden diesen Auftritt nie vergessen."

Das gilt natürlich auch für die Schüler der vier Klassen der Sportgrundschule, die Hobbyläufer und die Sportler der anderen Trainingsgruppen. Insgesamt spielen im Eismärchen "Schneewittchen und die sieben Zwerge" 145 Darsteller auf Kufen mit. Monika Scheibe, die wie immer für die Choreografie und Regie zuständig ist, hat sich mächtig ins Zeug legen müssen, um für alle eine Rolle zu finden: "Wenn man das Märchen vorliest, ist es ja nach sieben Minuten zu Ende. Da musste ich schon etwas hinzufügen", erzählt sie: "Die Besetzung richtet sich nach dem, was der Einzelne kann und besonders, ob er ein guter Darsteller ist." Die B-Note zählt am meisten.

Rund ein halbes Jahr dauern die Vorbereitungen. Die Sportler proben in ihren Trainingszeiten, denn zusätzliche Eiszeiten gibt es kaum. Für die Kulissen und einen Teil der Kostüme kann der CEC auf den Fundus des Opernhauses zurückgreifen. Was fehlt, wird selbst gefertigt. Der ehemalige Paarlaufweltmeister Tassilo Thierbach hat so sein Talent für den Kulissenbau entdeckt, bei Schneewittchen unter anderem den Zauberspiegel und das XXL-Zwergenbett gebaut. Zu den Vorführungen helfen zusätzlich viele engagierte Eltern beim Schminken oder als Betreuer in der Kabine. "Es ist eine tolle Vereinsleistung und zeigt unseren großen Zusammenhalt", stellt Ines Eichhorn heraus.

Den meisten Applaus, das steht jetzt schon fest, bekommen die Schneeflocken. Ganz gleich ob sie auch mal stolpern. Jeder hat mal klein angefangen. Auch alle aktuellen Größen des Vereins haben irgendwann in ihrer Laufbahn beim Eismärchen mitgewirkt. Die Hauptrolle 2014 spielt Monika Peterka, Billy Eichhorn ist der glückliche Prinz. Lutricia Bock und Martin Rappe werden hingegen diesmal nicht dabei sein können. Sie bereiten sich auf die Deutschen Meisterschaften vor. "In der Saison gibt es natürlich noch andere Prioritäten", betont Monika Scheibe - wenige aber schöner als das Eismärchen.