Scorefab: Notenblätter für Smartphone und Co.

Technik Chemnitzer Start Up entwickelt App für Musiker

Ulrich Halfter, Gründer des Chemnitzer Startups Foto: Scorefab

Scorefab ist ein kleines Start Up aus Chemnitz, das eine jener Ideen hatte, bei der man sich fragt, warum da noch nicht eher jemand darauf gekommen ist: Eine App, die Notenblätter auf jedem Endgerät anzeigen kann und dabei individuelle Vergrößerungsstufen sowie persönliche Notizen direkt auf dem digitalen Blatt zulässt. Dazu gibt es einen Fußschalter, mit dem man vor- und zurückblättern kann.

In einem Onlinestore kann man neue Notenblätter erwerben. Mit anderen Worten: Ein smarter Allrounder, für den wahrscheinlich jeder Musiker sofort Verwendung hätte, und den man sich im Symphonieorchester genauso gut vorstellen kann wie bei der Probe einer Nachwuchsband, die noch unsicher bei den Noten ist.

Wir sprachen mit Ulrich Halfter, einem der beiden Gründer des Chemnitzer Startups, über das Unternehmen und die App, deren Veröffentlichung kurz bevor steht.

Zuallererst: Wer hatte die Idee?

Die Idee ist ganz praktisch im Musikunterricht zwischen Lukas (Lukas Heinig, Mitgründer; Anm. d. Red.) und mir entstanden. Ausgangspunkt war die Nutzung digitaler Noten, was für Musiklehrer aufgrund des sehr großen Notenbestandes besonders interessant ist, sowie das Umblättern der Notenseiten. Die Idee haben wir dann immer weiterentwickelt und so die Eckdaten der Software und des Pedals geschaffen.

Lukas ist dabei für die Projektentwicklung zuständig, die Software liegt bei mir. Wir können das dank einer Startup-Förderung auch hauptberuflich machen. Unterstützt werden wir von Josephin (Hartmann) im Bereich Marketing und Alexander (Wolff) bei der Unternehmensführung.

Was kann eure App - und was kann sie nicht?

Die App hat drei Hauptfunktionen: Zum ersten die Anzeige der Noten, das heißt wir verwenden ein maschinenlesbares Datenformat, sodass das Notenbild erst beim Anzeigen auf dem Endgerät erstellt wird. Dadurch sind Zeilen- und Seitenumbrüche dynamisch möglich und werden an Displaygröße und gewünschte Zoomstufe angepasst.

Zum zweiten hat die App einen Noten-Store integriert, in dem die Musiker ihr Notenmaterial direkt beziehen und sofort nutzen können. Hier bauen wir Kooperation mit verschiedenen Verlagen auf, um ein breites Notenangebot zu schaffen. Die dritte Hauptfunktion ist die Verwaltung des gesamten Notenbestandes für Proben und Live-Abläufe.

An wen richtet sich die App? Habt ihr eine primäre Zielgruppe?

Im Grunde gehört jeder Musiker zu unserer Zielgruppe, unabhängig von Erfahrung und Genre. Zunächst richten wir uns aber vor allem an die Musikschüler und -lehrer, da diese über die Schulen recht gut organisiert und gegenüber der Technologie aufgeschlossen sind. Natürlich spielt auch der Noteneinsatz hier eine sehr große Rolle.

Die Profimusiker, z.B. klassische Orchester, wollen wir später mit einer modifizierten Version ansprechen, welche auf deren spezielle Anforderungen zugeschnitten ist.

Und an welchen Features arbeitet ihr gerade konkret?

An einigen, wobei manche davon noch ein bisschen länger dauern werden. Grundsätzlich heißen unsere Baustellen aber Transponieren der Noten, das Ermöglichen von Eintragungen, Änderungen und Notizen sowie eine Wiedergabe der Partituren.

Außerdem planen wir eine Rechteverwaltung, sodass beispielsweise Orchester- oder Chorleiter die Notenlizenzen flexibel an ihre Musiker verteilen können. Und die Noten sollen bald mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten abgespielt werden können.

Gibt es ein erstes Highlight auf die ihr ganz besonders stolz seid?

Definitiv! Wir freuen uns sehr, dass die Robert-Schumann-Philharmonie unserer Idee mit großem Interesse gegenübersteht. Auch das Feedback bei Vorträgen ist großartig und gibt uns viel Mut. Besondere Unterstützung erfahren wir durch die Musikschule Ars Nova von Lukas. Und auch die TU Chemnitz steht uns tatkräftig zur Seite.

Welches unternehmerische Potenzial seht ihr in dem Start Up?

Wir wollen bis 2020 auf ein siebenköpfiges Team wachsen. Dazu sind wir aktuell auf Investorensuche bzw. teilweise auch schon in Verhandlung.

Habt ihr ein Alleinstellungsmerkmal?

An Scorefab ist die Verbindung von Notenanzeige, Notenkauf und Hardwareintegration das Besondere, das es so bisher nicht auf dem Markt gibt. Die Notenanzeige wird dynamisch auf dem Endgerät erzeugt. Der Fußschalter zum Weiterblättern der Noten funktioniert kabel- und batterielos.

Wir bieten als einzige ein integriertes System aus Software, Hardware und Store, welches perfekt aufeinander und die Bedürfnisse unserer Kunden abgestimmt ist. Die Fertigung unserer Hardware erfolgt übrigens mit regionalen Partnern.