Sehen mit dem Smartphone

Technik Eine App ermöglicht Blinden und Sehbehinderten eine bessere Orientierung in der Stadt

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Stephan Klose und Jenifer Rhoden nutzen bereits die Vorlesefunktion der App. Foto: Andreas Seidel

Welche Gerichte stehen heute auf der Restaurant-Speisekarte? Wo finde ich den Aufzug oder wie komme ich zur nächsten Toilette? Und wo befindet sich im Ernstfall eigentlich der Notausgang? Die Antworten auf diese Fragen finden sich normalerweise auf Speisekarten, Info-Tafeln oder an Service-Punkten. Für Blinde und Sehbehinderte stellen aber auch diese Anlaufstellen im Alltag ein enormes Hindernis dar. Vor diesem Hintergrund entwickelte die an der Flemmingstraße ansässige SFZ CoWerk gGmbH eine mobile Orientierungshilfe in Form einer Smartphone-App. Schlicht und einfach "Finden" heißt der Alltagshelfer, der durch das sächsische Investitionsprogramm "Lieblingsplätze für alle - Förderung für barrierefreies Bauen" finanziert wurde.

Das Prinzip: "Die App stellt eine Verbindung zwischen Menschen und Gebäuden her. Genauer gesagt, durch Rückkopplung mit passiven Bluetooth-Sendern, die an bestimmten Orten eines Gebäudes angebracht werden", erklärt SFZ-Projektkoordinator Alexander Seidel. "Damit wird die Position des Smartphones im Raum ermittelt, das den Nutzer mittels Uhrzeitangaben die Richtung - beispielsweise zu einem Service-Punkt - vorgibt. Die Ausgabe der visuellen Informationen auf dem Display erfolgt über eine Vorlesefunktion." Neben der Orientierung im Raum können Einrichtungen dadurch auch Informationen bereitstellen, die über die Audioausgabe den Nutzer mit Handicap erreichen. Ziel sei es, die kleinen 10 mal 10 Zentimeter großen Bluetooth-Sender in Chemnitz flächendeckend in öffentlichen Einrichtungen einzusetzen. Dort, wo die Technologie bereits installiert ist, gibt das Telefon ein akustisches Signal von sich.

Zahlreiche Vertreter Chemnitzer Einrichtungen - wie zum Beispiel der Messe, des Klinikums oder des Chemnitzer Nahverkehrs - waren zur Präsentation Ende November anwesend und bekundeten bereits Interesse. "Wenn sich die Praxistauglichkeit dieses Angebotes erweist, werden wir prüfen, ob eine Installation in unserem Mobilitätszentrum an der Zentralhaltestelle möglich ist", sagte CVAG-Sprecher Stefan Tschök, der gleichzeitig einen weiteren Beitrag zur Barrierefreiheit im Nahverkehr ankündigte. Denn die 14 neuen Fahrzeuge, die 2018/19 nach Chemnitz ausgeliefert werden, sind mit sogenannten Flächenlautsprechern bestellt. "Die Außenhaut des Fahrzeugs kommuniziert mit den Fahrgästen und gibt akustisch die Buslinie und ihre Fahrtrichtung durch."

Einrichtungen, die Interesse an den Anwendungsbereichen der App haben, können sich bei CoWerk-Mitarbeitern Katalin Horvath melden, telefonisch unter 0151 16162636 oder per Mail unter khorvath@cowerk.de