Seit 12 Jahren am Steuer: Dieser Mann ist die heimliche Konstante der Niners

Andreas Lorenz fährt seit über einem Jahrzehnt den Mannschaftsbus der Niners Chemnitz. Er erlebte Aufstieg, Europapokalsieg und Party-Empfang mit 10.000 Fans – und gehört längst zur Familie.

Chemnitz

Er ist die gute Seele und der Ruhepol im Niners-Team: Andreas Lorenz. Der 63-Jährige fährt seit über zwölf Jahren den Mannschaftsbus der Chemnitzer Basketballer und hat in dieser Zeit viel mit dem Team erlebt. Obwohl er als Busfahrer nicht mit auf dem Feld steht, gehört er genauso zur Mannschaft dazu wie die Trainer und das Gesundheitsteam.

Seit zwölf Jahren ist Andreas dabei

Den Beruf übt der gebürtige Karl-Marx-Städter seit über 40 Jahren aus. Heute fährt er bei Dähne Reisen, einem Reisebusunternehmen aus Lichtenau, das eben auch den Mannschaftsbus der Niners betreut. Für Andreas ist es die zwölfte Spielsaison, in der er das Team zu Auswärtsspielen fährt.

Wenn man den sympathischen Mann trifft, merkt man schnell: Es ist nicht nur irgendein Job, es ist eine echte Berufung. Das sieht man auch, wenn man auf die Details achtet. Seine Handyhülle ziert das Niners-Mannschaftsbild, sein Brillenetui sieht aus wie ein Basketball und auch das Maskottchen „Karli“ sitzt als Kuscheltier vorn an der Scheibe. Dazu trägt Andreas den Niners Pullover.

„Die Bayern habe ich auch schon direkt am Rollfeld abgeholt“

Wie oft der 63-Jährige ran ans Steuer muss, hängt von den Spielen ab. Meistens wird er alle zwei Wochen, je nach Saison aber manchmal auch jede Woche gebraucht. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Niners zu Spielen zu fahren, aber auch deren Gastmannschaften vom Flughafen abzuholen. Gerade in europäischen Wettkämpfen kommen einige Mannschaften auch mit dem Flugzeug. Manchmal sind es aber auch die deutschen Teams: „Die Bayern habe ich auch schon direkt am Rollfeld in Altenburg abgeholt. Sie kamen mit dem Privatflugzeug, als sie gegen die Niners gespielt haben“, lacht Andreas.

„Dass über 10.000 Menschen kamen, damit hat keiner gerechnet.“

Das wohl größte Highlight für ihn bisher war der Sieg beim Fiba Europe Cup 2024 in Istanbul. „Wir saßen alle vorm Fernseher in Chemnitz!“ Später durfte er das Team vom Flughafen abholen und bereits da war die Partystimmung im vollen Gange. Andreas durfte sogar den Pokal halten.

Der wohl krassere Moment war, als die Mannschaft zum Empfang auf den Chemnitzer Markt geladen hatte. Er beschreibt seine Erinnerungen aus der Zeit: „Wir sind ja mit Polizeieskorte vom Feel Good Club, dem Trainingszentrum des Teams, zum Markt gefahren. Wir hatten Angst, dass niemand kommen würde. Im Bus wurden dann schon Wetten abgeschlossen, wie viele Leute da sein würden. Wir haben mit vielleicht 2.000 bis 5.000 Menschen gerechnet. Dass am Ende über 10.000 kamen, damit hat keiner gerechnet.“

Die Mannschaft durfte sich dann im Goldenen Buch der Stadt Chemnitz eintragen. Auch Busfahrer Andreas gebührte diese Ehre. „Der Cheftrainer hat mir auch seine Medaille um den Hals gehängt, die er in Istanbul bekommen hat. Ich wollte sie ihm mehrfach zurückgeben, doch es war ein Geschenk.“

Wenig Remmidemmi, viel Disziplin

Ist denn nach so einem Sieg eigentlich Remmidemmi im Bus angesagt? „Vielleicht manchmal, aber wir fahren nach den Bundesliga-Auswärtsspielen in der gleichen Nacht noch zurück. Von Vechta oder Oldenburg aus sind das mindestens sechs Stunden. Die Spieler sind dann richtig kaputt. Es schlafen alle außer ich und der Cheftrainer, Rodrigo Pastore arbeitet erstmal noch drei Stunden auf der Autobahn.“ Übrigens hat jeder Spieler auch seinen Lieblingsplatz im Bus, verrät Andreas.

 

„Das ist doch der Niners Busfahrer!“

In all den Jahren, in denen der Chemnitzer mit den Niners unterwegs ist, hat man auch einen Unterschied gemerkt, als das Team in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist. „Die Leute sprechen einen schon mehr darauf an.“ Sogar im Kaufland wurde Andreas einmal von einer älteren Dame erkannt: „Das ist doch der Niners Busfahrer“, hatte sie gerufen. Der Bus von Dähne Reisen ist außerdem ein Hingucker, wenn er durch Deutschland fährt. „Der Bus wird immer fotografiert, überall in ganz Deutschland, das ist klar.“

„Jonas Richters und Daniel Mixich haben damals noch Hausaufgaben im Bus gemacht“

Seit der Chemnitzer für die Niners fährt, hat er auch schon viele Orte bereist, die er sonst wohl gar nicht gesehen hätte. Dazu gehören beispielsweise Trier oder Leiden in Holland. Auch seinen Urlaub legt er mittlerweile so, dass die Saison nicht gefährdet ist.

Zum Schluss plaudert er noch etwas über früher: „Jonas Richters erste Saison war auch meine erste Saison. Damals haben er und Daniel Mixich noch im Bus hinten Hausaufgaben gemacht. Die waren 16 und noch auf dem Gymnasium. Das ist lange her.“ Heute stehen beide nicht mehr auf dem Feld für die Niners.

Aktuell steht die Mannschaft im Achtelfinale um den Eurocup 2026 gegen Cedevita Olimpija (aus Slowenien). Das Spiel findet am 11. März in Ljubljana statt, vorher müssen die Basketballer noch am 8. März in der Messe Chemnitz gegen Ratiopharm Ulm in der Basketball-Bundesliga antreten.

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