ShiroCo in Chemnitz: Synchronsprecher Sven Plate verrät im Interview, was Anime-Conventions so besonders macht

Für Sven Plate sind Anime- und Manga-Cons offene Orte mit besonderer Atmosphäre. Im Interview erklärt er, was diese Community ausmacht.

Chemnitz

Viele kennen Sven Plate zuerst über seine Stimme. Auf Anime- und Manga-Conventions wird daraus oft eine direkte Begegnung und genau diese Momente sind es, die für den Synchronsprecher besonders viel ausmachen. Vor der ShiroCo in Chemnitz hat er darüber gesprochen, was ihn an solchen Veranstaltungen fasziniert, welche Rollen ihm nahestehen und warum echte Stimmen für ihn unverzichtbar sind.

Sven Plate kommt zur ShiroCo in die Stadthalle Chemnitz

Am 11. und 12. Juli findet die 4. ShiroCo in der Stadthalle Chemnitz statt. Die Anime- und Manga-Convention lädt Besucher dazu ein, zwei Tage lang in die Welten ihrer Lieblings-Anime und -Mangas einzutauchen. Geplant sind ein Cosplay-Wettbewerb, Workshops, ein Bühnenprogramm, eine Händlermeile, eine Gaming-Area, eine Artist Alley und ein Food Court. Zu den angekündigten Synchronsprechern gehören Max Felder, Tommy Morgenstern und Sven Plate.

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Der Kontakt mit Fans bedeutet ihm viel

Der direkte Kontakt zu den Fans gehört für Sven Plate zu den schönsten Aspekten von Conventions. „Für mich ist es toll, mit den Fans in Kontakt zu kommen“, sagt der Synchronsprecher. Dabei erfährt er immer wieder, welche Bedeutung einzelne Serien und Figuren für die Menschen haben. Einige erzählen ihm, dass sie eine Produktion durch schwierige Zeiten begleitet hat, andere verbinden damit besondere Erinnerungen an ihre Kindheit oder ihre Familie. „Es ist toll, dass ich die Leute auch kennenlerne“, sagt Plate.

Was Anime- und Manga-Conventions für ihn besonders macht

Für Sven Plate liegt der besondere Reiz von Anime- und Manga-Conventions vor allem in der Offenheit der Community. Die Szene erlebe er als sehr freundlich und interessiert gegenüber Synchronsprecherinnen und Synchronsprechern. Dabei sieht er auch einen Unterschied zu Produktionen mit realen Schauspielern. Während er bei Filmen und Serien häufig „nur“ als die deutsche Stimme einer Figur wahrgenommen werde, sei die Verbindung bei Anime oft deutlich enger. „Bei Anime-Charakteren ist man im Gegensatz dazu die ganze Person, wenn man es auf Deutsch schaut“, betont Plate. Gerade deshalb empfindet er Anime-Conventions als besonders offenen Bereich, in dem Synchronsprecher herzlich aufgenommen werden.

Ein Fanmoment ist ihm bis heute besonders präsent

Eine Begegnung auf der Dokomi, der größten Anime- und Japan-Expo Deutschlands, hat sich Sven Plate besonders eingeprägt. Als er dort einem 15-jährigen Fan begegnete, flossen plötzlich die Tränen.

Emotionale Reaktionen seien ihm zwar nicht fremd. Immer wieder würden Fans schildern, welche Bedeutung bestimmte Figuren und Serien für sie haben. „Es gab schon Frauen, die in Tränen ausgebrochen sind“, berichtet Plate. Der Moment mit dem Jugendlichen sei dennoch außergewöhnlich gewesen. „Aber wenn da ein 15-jähriger Junge mit seiner Mutter steht, ist das noch mal ein anderes Gefühl.“ Bis heute erinnert er sich an diese Begegnung.

Wie emotional die Verbindung zu Anime-Stimmen sein kann

Auf Conventions erlebt Sven Plate immer wieder, welche Bedeutung Figuren und ihre deutschen Stimmen für Fans haben. Manche Besucher reagieren auf ein Treffen mit ihrem Lieblingssprecher sichtlich emotional. „Es gibt immer Personen, die weinen oder zittern oder die Fotos machen“, schildert er. Für viele sei die Begegnung ein lang ersehnter Moment und etwas ganz Besonderes. Doch die Emotionen wirkten nicht nur in eine Richtung. Auch bei den Sprecherinnen und Sprechern hinterließen solche Begegnungen oftmals einen bleibenden Eindruck.

Was ihn bis heute an seinem Beruf fasziniert

Seit vielen Jahren ist Sven Plate als Synchronsprecher und Synchronregisseur tätig. Besonders schätzt er die kreative Seite seines Berufs. Ob neue Figuren zum Leben erweckt oder Rollen für ein deutschsprachiges Publikum gestaltet werden, genau dieser kreative Prozess begeistert ihn bis heute.

Hinzu kommt die Vielfalt im Arbeitsalltag. Als Synchronsprecher arbeitet er häufig an mehreren Projekten gleichzeitig und schlüpft innerhalb kurzer Zeit in ganz unterschiedliche Rollen. Diese Mischung aus Kreativität und Abwechslung macht für ihn den besonderen Reiz des Berufs aus. Trotz technischer Entwicklungen blickt Plate optimistisch in die Zukunft. Nach seiner Einschätzung wird das Synchronsprechen auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen.

Warum Anime für ihn anders zu sprechen ist

Für Sven Plate unterscheidet sich die Arbeit an Anime in mehreren Punkten von der Synchronisation von Realfilmen, Serien oder Cartoons. Anime sei in manchen Bereichen etwas einfacher zu sprechen, weil die Lippenbewegungen der Figuren weniger präzise ausfallen. „Die Münder gehen meistens nur auf und zu im Anime und im Zeichentrick“, erläutert er.

Trotzdem sei die Arbeit keineswegs weniger anspruchsvoll. Die gleichen Gefühle müssten auch hier glaubwürdig transportiert werden. Nach Plates Erfahrung fallen die Emotionen in vielen Anime sogar deutlich intensiver aus. Japanische Sprecherinnen und Sprecher würden ihre Rollen häufig besonders emotional anlegen. Diese Stimmung gelte es anschließend für ein deutschsprachiges Publikum einzufangen und authentisch zu übertragen.

Diese Rollen haben ihm besonders viel Freude gemacht

Zu den Figuren, die Sven Plate besonders gerne spricht, gehört Gwizdo aus der Serie „Die Drachenjäger“. Mit der Rolle verbindet er viel, nicht zuletzt, weil er sich nach eigenen Angaben in einigen Eigenschaften der Figur wiedererkennt. Auch die Serie selbst habe für ihn einen hohen Stellenwert. Einen wichtigen Platz nehmen für ihn zudem seine Hörspielrollen ein. Viel Freude bereitete ihm etwa die Rolle des Jay Lawrence in „Point Whitmark“. Zu seinen Favoriten zählen darüber hinaus Gobta aus „Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt“ sowie Bugs Bunny. Rollen wie diese sind ihm über die Jahre besonders in Erinnerung geblieben

Privat kam er früh mit ähnlichen Formaten in Berührung

Anime spielte in Sven Plates Kindheit noch nicht die Rolle, die das Genre heute für viele junge Menschen einnimmt. Zu den ersten Produktionen, die er selbst gesehen habe und die in diese Richtung gingen, zählt „Captain Future“. In der Serie sprach er die Figur Ken Scott. Große Popularität genoss die Serie damals auch in seinem persönlichen Umfeld. Nach Plates Erinnerung wurde „Captain Future“ in seiner Schulklasse begeistert verfolgt. Auch ihm selbst habe die Serie gefallen, nicht zuletzt, weil sie im Freundes und Bekanntenkreis so gut ankam.

Dieser Synchronsprecher hat ihn geprägt

Gefragt nach einer Stimme, die ihn geprägt hat, nennt Sven Plate den Synchronsprecher Benjamin Völz. Dessen Arbeit habe ihn über viele Jahre beeindruckt. Plate schätzt vor allem dessen großes Talent und seine Vielseitigkeit als Sprecher. Viele Zuschauer kennen Benjamin Völz als deutsche Stimme von Charlie Harper in der Serie Two and a Half Men. Darüber hinaus sprach er Neo in der The Matrix-Reihe sowie Agent Fox Mulder in der Serie The X-Files.

Was Außenstehende beim Synchronsprechen oft unterschätzen

Nach Einschätzung von Sven Plate wird häufig unterschätzt, wie viel schauspielerische Arbeit hinter dem Beruf des Synchronsprechers steckt. Im Studio gehe es nicht nur darum, Texte einzusprechen. Sprecherinnen und Sprecher müssten innerhalb kürzester Zeit unterschiedlichste Emotionen glaubwürdig darstellen, schreien, weinen oder spontan zwischen verschiedenen Gefühlslagen wechseln können.

Hinzu kommen zahlreiche technische Anforderungen. Er verweist auch darauf, dass Synchronsprecher auf Lippenbewegungen, Pausen, Sprechtempo und die genaue Anpassung an das Bild achten müssen. Der Umgang mit den Texten erfordere Konzentration, denn nicht jede Passage sei jederzeit sichtbar oder könne einfach abgelesen werden. Gerade diese Verbindung aus schauspielerischem Ausdruck und technischer Präzision werde von Außenstehenden häufig unterschätzt.

Im Studio gibt es auch körperlich fordernde Momente

Als besonders herausfordernd beschreibt Sven Plate Weinszenen, Schreiszenen, Lachen oder Momente, in denen man ein Übergeben spielen müsse. Solche Szenen seien sehr anspruchsvoll. Wenn es wirklich extrem werde, spüre man das deutlich.

Oft beginnt die Arbeit mit nur wenigen Informationen

Ausführliche Vorbereitungszeiten gehören beim Synchronsprechen eher selten zum Arbeitsalltag. Stattdessen müssen Sprecherinnen und Sprecher häufig innerhalb kürzester Zeit in neue Rollen und Produktionen eintauchen. Sven Plate schildert, dass zu Beginn einer Aufnahme meist nur kurz erklärt wird, ob es sich um einen Anime, eine Dokumentation oder einen Kinofilm handelt.

Anschließend erhalten die Beteiligten einige Informationen zum Inhalt und zur Figur. „Wir leben damit, dass wir nie wissen, was wir eigentlich sprechen“, berichtet Plate. Während manchmal die komplette Figur zu sehen sei, werde bei besonders geheim gehaltenen Produktionen mitunter nur der Mund gezeigt. In solchen Fällen gelte es, die passende Stimmung und Leistung möglichst schnell abzurufen. Unterstützung komme dabei vom Regisseur, der zusätzliche Hinweise zur Interpretation und Umsetzung der Szene gebe.

Woran er eine gute Synchronisation erkennt

Für Sven Plate ist eine Synchronisation dann wirklich gelungen, wenn man nicht merkt, dass es eine Synchronisation ist. „Wenn die Stimmen so gut auf die Figuren passen, dass die einem natürlich vorkommen“, beschreibt er es. Je weniger auffalle, dass eine Produktion synchronisiert sei, desto besser sei die deutsche Fassung.

Beim Thema KI hat er eine klare Haltung

Klare Worte findet Sven Plate beim Thema KI generierte Stimmen und künstliche Synchronisation. Für ihn stellt diese Entwicklung eine Bedrohung dar. Das Thema betreffe aus seiner Sicht nicht nur die deutsche Synchronbranche, sondern stoße auch in der breiten Bevölkerung auf großes Interesse.

„Wir wollen natürliche Stimmen, wir wollen menschliche Stimmen und menschliche Emotionen“, betont Plate. Gerade in einer Welt, die immer technologisierter und künstlicher werde, hält er echte Stimmen und echte Emotionen für unverzichtbar. Zugleich ist er überzeugt, dass viele Menschen diese Haltung teilen.

Darauf freut er sich in Chemnitz besonders

Mit Vorfreude blickt Sven Plate auf seinen Besuch in Chemnitz. Bereits im vergangenen Jahr war er auf der ShiroCo zu Gast und hat die Zeit dort positiv in Erinnerung. „Ich fand es sehr nett, ich mag auch Chemnitz ganz gerne“, erzählt er. Die Stadt habe „einen ganz eigenen Charakter“. Auch die Organisation der Veranstaltung ist ihm in guter Erinnerung geblieben. Das Team vor Ort beschreibt er als ausgesprochen freundlich. „Ich habe mich da sehr wohlgefühlt“, erinnert sich Plate. Umso mehr freut er sich darauf, erneut Fans zu treffen, die seine Rollen kennen oder sich für die Arbeit von Synchronsprecherinnen und Synchronsprechern interessieren.

Warum er Neulingen einen Besuch empfiehlt

Wer noch nie eine Anime- oder Manga-Convention besucht hat, dem würde Sven Plate einen Besuch empfehlen. Für ihn sind solche Veranstaltungen ganz besondere Orte. „Es ist ein Safe Space, wo man sein kann, wie man will“, sagt er. Man könne dort Neues ausprobieren und auf eine Community treffen, die sehr viel akzeptiere. Er nennt als Beispiele die vielen unterschiedlichen Cosplays und die entspannte Stimmung auf solchen Veranstaltungen. „Es ist eine sehr ruhige, sehr gechillte Community, eine Community, die sehr viel akzeptiert“, sagt Plate. Wer Japan, japanische Kultur, Anime, Manga, Cosplay oder Synchronsprecher möge, habe viele Gründe, zu einer Convention wie der ShiroCo in Chemnitz zu kommen. Auch die Gäste in Chemnitz nennt er als Grund für einen Besuch.

Was er seinem jüngeren Ich heute sagen würde

Seinem jüngeren Ich würde Sven Plate nach eigener Aussage gar nicht so viel anders raten. Er habe mit dem Sprechen begonnen und beschreibt seine Stimme selbst als ein bisschen ungewöhnlich und „sehr nerdig“.

Dadurch habe er manche Rollen besonders gut sprechen können. Andere Rollen wie Soldaten, Prinzen oder Liebhaber seien für ihn eher verschlossen gewesen. Deshalb habe er nach etwa 20 Jahren zusätzlich mit Regie und Dialogbuchregie angefangen.

Etwas früher würde er heute allerdings mit Social Media beginnen. Sein Kanal laufe seit vier Jahren sehr gut und habe dazu beigetragen, dass Synchronsprecher bekannter geworden seien. Früher sei das Feld für viele eher unsichtbar gewesen, heute gebe es deutlich mehr Öffentlichkeit. „Mittlerweile ist das ja nicht mehr so ein dunkles Gewerbe“, sagt Plate. Für ihn ist das auch deshalb wichtig, weil Social Media in Zeiten von KI ein Sprachrohr sein kann, damit die Anliegen von Synchronsprechern gehört werden.

BLICK.de bedankt sich für das Interview bei Sven Plate.

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