Sie schwimmt doch: 24 Stunden Floßprojekt auf dem Schlossteich mit Cuba Libre in Chemnitz

Während die eine Plattform baden ging, bauten zwei Freigeister aus PET-Flaschen ein schwimmfähiges Gegenstück: spontan, kreativ und voller Herz für die Kulturhauptstadt. Die Chemnitzer steuerten Paddel, Pizza, Kaffee und sogar mal einen Cuba Libre bei.

Chemnitz

Manchmal muss Kunst untergehen, damit neue Ideen auftauchen können. So oder so ähnlich könnte man die Geschichte vom Chemnitzer Schlossteich erzählen, wo kürzlich erst eine ambitionierte Plattform wortwörtlich baden ging - und kurze Zeit später die BLICK.de Redaktion von einem bunten, lebendigen Floß-Projekt zum leuchtenden Gegenentwurf erfuhr.

Von Platschform zur PETform

Erinnern wir uns: Da trieb sie noch, die "Platschform" - halb Kunst, halb Kenterschicksal. Eine schwimmende Bühne für Kreativität, mitten auf dem Wasser, mit Zelt und Ambition. Doch das Vorhaben nahm eine... sagen wir mal: unerwartet nasse Wendung. Das Kunstprojekt versank mit einem stillen Gluckern - zurück blieb ein melancholischer Hauch von Titanic-Ästhetik und ein paar chillende Enten, die das Ganze offenbar als Einladung zum Brunch betrachteten.

Doch wie wir jetzt wissen: zuvor war es jedoch geglückt:  Ein Floß! Neu, selbstgebaut, voller Herzblut und PET-Flaschen. Getauft wurde es kurzerhand "Arche", und sie kam nicht mit Pomp und Presse, sondern mit Schrauben, Styropor und einer Küchentischidee. Julia Michel- einer von beiden kreativen Köpfen- informierte uns selbst darüber.

Zwei Menschen, ein Floß, 300 Flaschen Hoffnung

Danny Weigelt (36) - Chemnitzer Urgestein mit Kulturhauptstadt-Kalender im Kopf - und Julia Michel (38) - aus Dresden über Marseille nach Dresden ins Herz von Chemnitz gestrandet - erfuhren von BLICK.de von der versunkenen Plattform. Ihre Idee dazu war unabhängig. Denn sie hatten Durst. Auf Kunst. Auf Begegnung. Und vielleicht auch auf ein kaltes Getränk.

"Die Idee entstand an einem typischen Küchentischabend", erzählt Julia. Eigentlich wollte sie längst auf einem Hausboot in Kopenhagen wohnen - doch dann kam Chemnitz.

"Da muss doch auch was gehen", dachte sie. Und wie das bei guten Ideen so ist, war nach dem dritten Glas auch gleich der Mikroprojektplan geschrieben: Ein Floß aus Plastikflaschen und Holzresten, als Statement gegen Umweltverschmutzung, für Klimabewusstsein - und für mehr Miteinander.

Floß mit Flair und philosophischer Tiefgang

Gebaut wurde das gute Stück in sportlichen vier Stunden: 300 leere PET-Flaschen (gesammelt mit Unterstützung der Fristo-Getränkemärkte), zwei Holzplatten, ein bisschen Styropor, ein paar Schrauben und viele helfende Hände. Fertig war die schwimmende Gesprächsplattform - im wahrsten Sinne des Wortes.

Von Samstag 14 Uhr bis Sonntagmittag war die "Arche" unterwegs. Gespräche, Gelächter, spontane Begegnungen - alles war Teil des Plans. "Wir sind mit nichts gestartet und haben u.a. Paddel, Pizza, Kaffee und auch Mal einen Cuba Libre von herzlichen Chemnitzern erhalten", sagt Julia.

Sogar das Grünflächenamt war begeistert - nicht zuletzt, weil die beiden ihr Floß am Ende ordnungsgemäß wieder aus dem Wasser holten. Entenfreundlich und bürokratiekonform.

Kunst im Wasser, Herz auf der Zunge

Und so steht dieses Projekt nicht nur als augenzwinkernde Antwort auf die tragisch-komische "Platschform", sondern auch als Symbol für das, was Chemnitz im Kulturhauptstadtjahr 2025 sein will: mutig, kreativ, spontan - und ein bisschen verrückt.

Was bleibt, ist der Wunsch nach einer Neuauflage. Vielleicht mit noch mehr Flaschen, noch mehr Gesprächen, noch mehr Menschen. Die Ideen sprudeln - auch im nächsten Jahr hoffentlich nicht unter Wasser.

PS: Wer‘s nicht glaubt, schaut einfach auf Insta bei @absaufen_in_chemnitz vorbei. Dort sieht man, wie schön DIY-Kunst auf PET-Basis wirklich schwimmen kann.

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