"Siehe, dein König kommt!"

Wort zum Sonntag von Superintendent Andreas Conzendorf

Mit diesem Bibelwort wird die Adventszeit eröffnet. Einer der wenigen Filme, die ich in den letzten Jahren im Kino gesehen habe, ist "King's Speech", deutsch: "Die Rede des Königs." Das Besondere an diesem König (Georg VI.) war, dass er keine Rede halten konnte, denn er stotterte. Und unter Druck brachte er keinen Satz heraus. Das geht doch nicht. Ein König muss doch was hermachen. Auch wenn wir keinen König mehr haben, wir empfinden so: Die Repräsentanten sollen nicht peinlich sein. Der Prophet meint mit "König" den Gesandten Gottes. Und der wird ja nicht peinlich sein! - Beim Propheten geht der Satz weiter: "... und reitet auf einem Esel." Und genau das ist peinlich, jedenfalls wenn es um Gottes Gesandten geht. Das wusste der Prophet. Und Jesus, der von Gott gesandte Christus, dessen Geburt wir bald wieder festlich begehen, hat das auch gewusst - und hat sich auf einen Esel gesetzt. Nicht aufs hohe Ross, sondern auf den Esel. Der "König" auf einem Esel? Lächerlich.

Wenn wir durch all die Süßigkeiten und das Geglitzer und die Vermarktung den Weg zum Weihnachtsfest nicht verloren haben, dann kann uns bewusst werden: Wer Gott begegnen will, muss es unten im Alltag versuchen. Und vielleicht muss ich sogar hin und wieder bereit sein, ein Esel zu werden. Auf dem jedenfalls ist Gottes Gesandter, der "König" geritten. Und möglicherweise braucht die Welt mehr Esel als stolze Rösser.

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen Superintendent Andreas Conzendorf