Siemons falsches Spiel mit dem CFC

FUSSBALL Fans und Verantwortliche wollen himmelblauen Traditionsverein retten.

Nach dem schmerzhaftesten Saisonsieg des Chemnitzer FC und dem damit verbundenen Abstieg in die Regionalliga meldete sich Insolvenzverwalter Klaus Siemon zu Wort und formulierte: "Mit dem Abstieg ist ein erfolgreiches Ende des Insolvenzverfahrens in weite Ferne gerückt (...) Entscheidend ist, dass der Insolvenzplan gegenwärtig nicht finanziert werden kann." Er forderte die Verantwortlichen des CFC zu einer Neubewertung der aktuellen Situation auf. Bevor das überhaupt erfolgen konnte, konfrontierte der Insolvenzverwalter sie mit einem Ultimatum: 450.000 Euro müssen bis zum 10. August nachgewiesen werden, ansonsten wird der Verein abgewickelt. Da der Verein Hauptgesellschafter der CFC Fußball GmbH ist, wäre der Regionalliga-Fußball in Chemnitz damit Geschichte.

Antworten vom Amtsgericht

Angeblich habe Klaus Siemon vom Amtsgericht Chemnitz zwei Aufforderungen diesbezüglich erhalten, jedoch konnte ein Amtsgerichtssprecher das nicht bestätigen: "Entsprechende Aufforderungen ergeben sich aus der Verfahrensakte nicht." Es gab einzig im Mai eine Anfrage zum Sachstand, um sich über den möglichen Fortgang zu informieren. Weil eine Antwort ausgeblieben ist, wurde Mitte Juni an die Beantwortung erinnert. Anschließend erstattete Klaus Siemon Bericht. Ob ein neuerlicher Insolvenzplan vorliegt, ließ Siemon offen. Über die 450.000 Euro sowie den 10. August liegen dem Amtsgericht Chemnitz derzeit keine Erkenntnisse vor. Folglich kann darüber nur spekuliert werden.

Es erweckt jedoch den Eindruck, dass beides ganz bewusst gewählt wurde. So dürfte der Geldbetrag in etwa der Vergütung - der ranghöchsten in einem Insolvenzverfahren - für Klaus Siemon entsprechen. Dementsprechend sind es nicht, wie von CFC-Vorstandsvorsitzender Romy Polster verkündet, "die Mittel für die Befriedigung der Gläubiger sowie Deckung der Masseverbindlichkeiten und der Verfahrenskosten". Dieses Geld muss anderweitig generiert werden. CFC-Gesellschafter Jürgen Thomas hatte letztes Jahr schon die Summe zur Beendigung der Insolvenz zwischen einer halben und ganzen Million Euro taxiert.

Montag, der 10. August, ist dahingehend ein interessantes Datum, denn am Wochenende zuvor tritt der Chemnitzer FC im Halbfinale des Sachsenpokals bei International Leipzig an. Die Zeit bis dahin ist ebenso spannend, schließlich muss in diesem ein komplett neuer Kader zusammengestellt werden.

Insolvenzplan & Altlasten

Sollte es mit der Unterstützung von Fans, Mitgliedern, Unterstützern sowie Unternehmen und Firmen mittels einer transparenten Crowdfunding-Aktion tatsächlich gelingen, die 450.000 Euro fristgerecht nachzuweisen, stellt Siemon ein schnelles Ende des Insolvenzverfahrens in Aussicht. Wobei etwas in Aussicht stellen keine Garantie darstellt. Wird final dennoch ein - neuer - Insolvenzplan vorgelegt, muss dieser vom Insolvenzgericht genehmigt werden. Geschieht das, findet anschließend ein Erörterungs- und Abstimmungstermin statt, in dem die Gläubiger über die Annahme des Plans abstimmen.

Wie schwer diese Hürde sein kann, zeigte der erste Versuch von Siemon im Herbst vergangenen Jahres. "Der Verein ist dann finanziell saniert - und meine Aufgabe erledigt", verkündete er damals. Allerdings zog er kurze Zeit später den Insolvenzplan überraschenderweise wieder zurück. Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen war der zuständige Insolvenzrichter nicht vom Insolvenzplan überzeugt und ordnete entsprechend Nachbesserungen an, denen Siemon jedoch nicht nachkam. Zum anderen lehnten die CFC-Gesellschafter eine Garantie für die Übernahme dessen Vergütung und erhebliche Gerichtskosten ab. Während die Siemon-Vergütung in Klärung ist, müssen die fast 100 Gläubiger mit anderen finanziellen Mitteln bedient werden. Siemon argumentiert diesbezüglich mit einer Quote von fünf Prozent. Ein fiktives Rechenbeispiel: Bei einem Schuldenberg von fünf Millionen Euro wären das weitere 250.000 Euro, die gestemmt werden müssen. Ungeklärt ist weiterhin die Frage nach den Kosten für Rechtsstreitigkeiten über die Insolvenz hinaus. Das prominenteste Beispiel ist die Auseinandersetzung zwischen Klaus Siemon und der "eins energie in sachsen GmbH & Co. KG".

Frisches Geld, ehemaliger Vertriebler

Der CFC benötigt frisches Geld, auch um einen konkurrenzfähigen Etat für die Regionalligasaison vorzubereiten. Romy Polster teilte mit, dass zwei neue Gesellschafter Interesse signalisiert haben und ein neuer Hauptsponsor mit einer Investition im sechsstelligen Bereich einsteigen möchte. Auch von anderen Sponsoren gebe es positive Signale. Erster Ansprechpartner für Sponsoren und Partner ist nicht mehr Marcel Manig. Der ehemalige Marketing- und Vertriebsmanager, der weiterhin die Koordination und Führung des ehrenamtlichen Vertriebsteams innehatte, ist seit diesem Monat nicht mehr bei der Chemnitzer FC Fußball GmbH angestellt.