So schlecht sind die Straßen in Sachsen wirklich

Strassenbau Fokus liegt mittlerweile auf dem Erhalt statt auf Aus- oder Neubau

Die Erhaltung der sächsischen Straßeninfrastruktur und deren Leistungsfähigkeit ist einer der wichtigsten verkehrspolitischen Handlungsschwerpunkte des Freistaates. Seit dieser Legislaturperiode verfolgt die Regierung das Ziel "Erhalt vor Ausbau - Ausbau vor Neubau". "In Sachsen hat sich das Straßennetz mit Beginn der 90er Jahre grundlegend geändert - fast sämtliche Straßen mussten von Grund auf saniert oder neugebaut werden. Nach rund 20 Jahren sind dann viele Straßen zyklisch wieder für eine Sanierung reif", informiert Verkehrsminister Martin Dulig. "Viele Jahre wurde der Fokus stets auf teure Neubaumaßnahmen gelegt und der Erhalt von Straßen vernachlässigt. Inzwischen besitzt der Freistaat ein dichtes weit verzweigtes Netz, dessen Erhaltung und der bestandsnahe Ausbau mehr denn je im Fokus unserer Politik stehen."

Fast 44 Prozent der Straßen sind "am schlechtesten"

Die aktuelle Zustandserfassung zeigt deutlich, dass der Erhaltungszustand der Staatsstraßen im Freistaat unbefriedigend ist. Derzeit sind 43,5 Prozent des Staatsstraßennetzes der schlechtesten Straßenzustandsklasse zuzuordnen. Insgesamt befinden sich etwa 63 Prozent des Staatsstraßennetzes in einem Erhaltungszustand, der das unmittelbare Einleiten von Erhaltungsmaßnahmen oder mindestens die Planung mittelfristig vorzusehender Maßnahmen erfordert. Der bestehende Sanierungsstau lasse sich jedoch nicht innerhalb kürzester Zeit beseitigen, so Dulig weiter.

Für Erhaltungsmaßnahmen bedürfe es immer der Abstimmung mit den regionalen Partnern. Allein aus Gründen der Verkehrsführung sei davon auszugehen, dass in einer Bausaison nur etwa fünf Prozent des Netzes einer Straßenklasse (Staatsstraßen) mit Bautätigkeit belegt werden können. Kritik beim Thema Straßenbau - insbesondere in Bezug auf die Finanzierung - gibt es derzeit sowohl auf Landesebene als auch auf kommunaler Ebene. Auch im Bereich des kommunalen Straßenbaus sei die Situation angespannt, trotz einer Rekordsumme von rund 360 Millionen Euro, die in diesem Jahr für den Erhalt von Straßen, Brücken und Radwegen in kommunaler Hoheit zur Verfügung stehen.