Sofort, später oder gar nicht?

Wort zum Sonntag von Pfarrer Stephan Brenner

Seit einiger Zeit ist unsere Stadt um eine technische Neuerung reicher. An den Nahverkehrshaltestellen wird jetzt genau angezeigt, wann der nächste Bus oder die nächste Bahn kommt. Kurz vor Ankunft des Fahrzeuges fängt in der Anzeige das Wort "sofort" sogar zu blinken an. Tolle Sache.

Ja, es ist schön, wenn man weiß, wie lang was noch dauert, wie lang man noch zu warten hat. Da kann man sich auf ein Geschehen ziemlich genau einstellen. Kaum etwas ist unangenehmer als eine Verspätung, von der man nicht weiß, wie groß sie ist.

Aber es gibt eben im Leben noch mehr als den Chemnitzer Nahverkehr mit seinen exakten Anzeigen. Und da wissen wir oft nicht, was wie lange noch dauert oder was wie schnell kommt. Ungewissheiten sind uns nicht fremd. Und sowas kann ziemlich beunruhigen. Das kann beängstigen. Das kann mürbe machen.

Ein Patentrezept gegen Ungewissheiten habe ich nicht. Aber ich kann sagen, dass die Ungewissheiten im Leben mich nicht ganz und gar bestimmen und beherrschen müssen. Sie bestimmen und beherrschen mich nicht total, wenn bei mir die Grund-Gewissheit mitschwingt, dass ich niemals und nirgendwo gottverlassen bin.

Stephan Brenner, Pfarrer