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"Spenden fließen sehr spärlich"

Reportage Helferkreis Chemnitz-Zwickau plant Hilfslieferung in griechische Flüchtlingslager

Chemnitz/Zwickau/

Dreißig Paletten an Hilfsgütern - Kleidung, Hygiene-Artikel, Spielsachen, Betten, Schlafsäcke und Decken sind darunter - all das wartet in einer Lagerhalle in Oelsnitz auf den Transport nach Griechenland. Der Helferkreis Chemnitz-Zwickau hat geschätzte sechs Tonnen an gespendetem Material zusammengetragen. Doch seit Monaten verzögert sich die Auslieferung. "Wir haben Schwierigkeiten, das Geld für den Transport aufzubringen", sagt Oliver Nießlein, der die rund 50-köpfige Initiative leitet. Die Spendenbereitschaft habe stark abgenommen. "Das Geld fließt sehr spärlich", sagt er. Und das, obwohl sich die Situation in den Flüchtlingslagern in Griechenland, der Türkei und anderen arabischen Staaten keinesfalls gebessert habe. Seit Mitte März sind die Grenzen dicht, die Balkanroute ist weitgehend abgeriegelt. Seitdem sitzen die Flüchtlinge fest. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind es Ende September rund 60.500 Menschen. Ein Großteil von ihnen lebt in einem der knapp 60 Flüchtlingslager. Sie wurden ab März, nach der Schließung der Grenze zu Mazedonien, eilig im ganzen Land errichtet. "Es war schwierig am Anfang", erzählt Charoula, Helferin in einem Camp nahe der Stadt Drama. "In dem neuen Lager haben zunächst allein Freiwillige gearbeitet. Der Staat und die großen Nichtregierungsorganisationen haben nichts getan." Die Camps werden überwiegend vom griechischen Militär verwaltet. Die Soldaten sorgen für die Infrastruktur, für Essen und vermitteln ärztliche Hilfe. Doch in allen Bereichen gibt es - je nach Lager - mehr oder weniger starke Defizite. Im nahe Thessaloniki gelegenen Camp "Softex" etwa, mit über 1600 Bewohnern eines der größten in Nordgriechenland, werden drei Mahlzeiten täglich verteilt. "Heute früh gab es Brot mit Käse, mittags eine Portion Reis mit Linsen, gestern Abend hatten wir Reis mit Rindfleisch", erzählt der 56-jährige Nihad al-Guma aus dem syrischen Damaskus. "Das Essen ist nicht gut, aber wir haben nichts anderes", sagt er. Wer kann, besorgt sich etwas auf dem Markt und kocht selbst. In den Müllcontainern außerhalb der ehemaligen Fabrik sammeln sich die Essenspakete, man sieht weg geworfenes Brot, zum Teil wie aus Protest vor der Tonne gestapelt. "Das kann man einfach nicht essen", sagt ein Junge im Vorbeigehen. In Sachen Gesundheitsversorgung sieht es ähnlich aus. "Bis gestern hatte ich Durchfall, Erbrechen, Kopfweh und Fieber - mehrere Tage lang und keiner wusste, was es war", sagt die zwölfjährige Fermesk, eine junge Kurdin, die mit Mutter und Geschwistern ein Zelt in "Softex" teilt. "So wie mir ging es vielen hier, mindestens jeder zweite hatte das", sagt sie. Die medizinischen Kapazitäten reichten nicht aus, um jedes Mal eine exakte Diagnose zu stellen, erklärt die leitende Ärztin vom Internationalen Roten Kreuz, das hier mit einem Sanitätszelt vertreten ist. "Wir können bestenfalls eine Grundversorgung leisten", sagt sie. Das Lager liegt in einem Industriegebiet am Rand der Hafenstadt Thessaloniki. Die Fabrikhallen schützen einen Teil der Zelte vor der Witterung, ein Teil steht unter freiem Himmel. Eigentlich waren diese Lager nur als Übergangslösung gedacht. Doch nun scheint daraus eine permanente zu werden. Bis zum Beginn des griechischen Winters im November möchte der Helferkreis Chemnitz-Zwickau auf jeden Fall seine Güter ausgeliefert wissen. "Wir sind in Verhandlung mit Spediteuren", sagt Oliver Nießlein. Das Ziel ist ein Sammellager in der Nähe von Thessaloniki. Von dort aus werden die Spenden an über 20 Flüchtlingslager in Nordgriechenland verteilt. "Ich hoffe, dass es im Oktober noch klappt", so Nießlein. mo