"Sprayer-Oma" zeigt Graffiti für den Frieden

Kultur Neue Ausstellung "Hass vernichtet" im Smac

Irmela Mensah-Schramm ist 73 Jahre alt. Seniorinnen in ihrem Alter haben in der Regel Freizeitbeschäftigungen, die entspannt und friedlich zugehen. Für Frieden ist die Berlinern, die schon als "Sprayer-Oma" bezeichnet wurde, auch - allerdings äußerst aktiv, wie sie selbst sagt. Sie meint damit ihr seit über 30 Jahren andauerndes Engagement für Menschenrechte.

"Ich vernichte die Schmierereien, weil ich den Hass vernichten möchte."

In ganz Deutschland entfernt Irmela Mensah-Schramm Hass-Parolen und Nazi-Symbole in Form von Graffiti oder Aufklebern und wandelt sie in Friedensbotschaften um. Bereits mehrfach landete sie dafür vor Gericht wegen angeblicher Sachbeschädigung. Doch sie kann nicht anders, als immer weiter zu machen, erzählt sie. "Die gesprühten oder geklebten Morddrohungen und Beleidigungen sind gegen die Schwachen unserer Gesellschaft gerichtet. Ich vernichte die Schmierereien, weil ich den Hass vernichten möchte", erzählt Irmela Mensah-Schramm.

"Hass vernichtet" heißt auch die neue Ausstellung im Archäologiemuseum Smac, die die Berlinerin in dieser Woche eröffnete. Präsentiert werden etwa 35 Bilder, die Irmela Mensah-Schramm in den letzten Jahren erstellt hat. Sie dokumentiert darauf ihre Arbeiten. Angefangen habe alles vor über 30 Jahren. Da habe sie eines Tages Menschen in Neuruppin dabei beobachtet, wie sie teilnahmslos menschenverachtende Graffiti angestarrt, aber nichts getan hätten. "Das konnte ich nicht ertragen", erinnert sich die frühere Heilpädagogin.

Menschenrechtsaktivistin vernichtete mehr als 100.000 Hass-Parolen

Seither geht Irmela Mensah-Schramm niemals ohne eine Tasche mit Fotoapparat, Bürsten, Pinseln, Lösungsmitteln und Farbe außer Haus. Sie beseitigte nach eigenen Angaben bereits tausende Aufkleber mit rassistischen Symbolen und veränderte mehr als 100.000 Hass-Parolen an deutschen Häuserwänden oder Zaunmauern. "Wir sind für das verantwortlich, was wir widerspruchslos hinnehmen", lautet der Wahlspruch der 1945 geborenen Menschenrechtsaktivistin.