Stolpern im Kopf

Gedenken Künstler verlegt weitere Stolpersteine

Am Mittwoch wurden an verschiedenen Stellen in Chemnitz 25 weitere Stolpersteine an den letzten bekannten Wohnorten von Opfern des NS-Regimes verlegt. Beginn war in der Dresdner Straße 38, vor dem Georg-Landgraf-Forum, wo an den Tod von Ernst Heilmann und Karl Böchel, dessen Enkelin der Gedenkveranstaltung beiwohnte, mit der Verlegung von zwei Steinen erinnert wurde. Die zwei Sozialdemokraten waren bis in die 30er-Jahre als Redakteure der Chemnitzer Volksstimme tätig. Heilmann war überdies Jude, was den Nazis Grund genug war, ihn 1940 im KZ Buchenwald hinzurichten. Böchel gelang die Flucht über die Tschechoslowakei und später nach Norwegen, wo er aber schon 1946 an Krankheit aufgrund schwerer Verletzungen nach einem Anschlag der Nazis auf den Sächsischen Landtag, starb. Rund 50 Bürger, unter ihnen Paten der Stolpersteine sowie Vertreter der Jüdischen Gemeinde, nahmen an der Zeremonie teil. Nach einer Begrüßung von Bürgermeister Sven Schulze sprach der Künstler und Erfinder der Stolpersteine, Gunter Demnig, ein paar Worte und betonte, dass es trotz seiner zahlreichen Termine nicht zur Routine wird, mit dem Einsetzen der Stolpersteine in den Gehweg an die Opfer des Dritten Reiches zu erinnern. "Es sind immer wieder andere Menschen und neue Geschichten. Zur Kritik, dass es unpassend ist, auf einem Gedenkstein zu treten, der auf dem Gehweg liegt, meint Demnig. "Das Messing auf den Steinen wird immer blanker, wenn man drüber läuft, so wird die Erinnerung immer deutlicher. Und um die Namen lesen zu können, muss man sich verbeugen", fügt Demnig an. Ein Angehöriger meinte einmal, dass er die Steine auch als eine Art Grabstein sieht, welcher beim Gedenken hilft, so Demnig weiter.

Die ersten Stolpersteine wurden 2007 verlegt und erinnern an 106 Orten in der Stadt an Opfer nationalsozialistischer Willkür.