Street Art für Holocaust-Überlebenden: Künstler würdigt einen großen Chemnitzer

Falko Lehmann will an Justin Sonder erinnern

Chemnitz

An der Ecke Glockenstraße/Dresdner Straße prangt ein neues riesengroßes Wandbild: Künstler Falko Lehmann alias Akut hat sein Sonntag ein Porträt des Auschwitz-Überlebenden Justin Sonder auf die Fassade gebracht. Justin Sonder, der im November 2020 im Alter von 95 Jahren verstarb, wurde 1925 in Chemnitz geboren. Am 27. Februar 1943 wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort überlebte er Hunger, Schläge, Zwangsarbeit und insgesamt 17 Selektionen.

Über Todesmärsche aus der Hölle heraus

In mehreren Todesmärschen gelangte Justin Sonder schließlich im April 1945 ins fränkische Wetterfeld, wo er am 23. April 1945 durch die amerikanische Armee befreit wurde. Am 19. Juni 1945 kehrte er gemeinsam mit seinem Vater in seine Heimatstadt zurück. Justin Sonder hielt mehr als 500 Veranstaltungen mit Tausenden Schülern ab. Seine Botschaft an die Jüngeren: Die nachfolgenden Generationen, für die Frieden und Demokratie immer eine Selbstverständlichkeit schienen, müssen immer wieder aufs Neue dafür sorgen, dass sich ein Menschheitsverbrechen wie das des Nationalsozialismus nicht wiederholen kann.

Kunstwerk zeigt Porträts von Holocaust-Überlebenden

Das neue Kunstwerk von Falko Lehmann gehört zu seiner Serie "Gegen das Vergessen", die Porträts von Holocaust-Überlebenden zeigt. Nach Chemnitz ist der Berliner durch seinen Freund René Kästner gekommen. Der habe ihm auch die Fassade an der Glockenstraße besorgt. "Sie ist ideal, weil sie Porträtgröße hat", erzählte Lehmann am Dienstag vor Ort. Er sei zudem froh, dass die Lage in den städtischen Raum integriert ist. Wer von der Dresdner Straße kommt, sieht das leuchtende Konterfei Justin Sonders jetzt schon von Weitem. Die Porträts der Serie "Gegen das Vergessen" tragen Schriftzüge auf den Gesichtern. "Wenn der Holocaust dein eigenes Leben tangiert, macht das was mit dir", so Falko Lehmann. Auf Justin Sonders Gesicht ist zu lesen "Ich sollte überleben". Das mehr als 20 Meter hohe Bild soll beim Betrachter eine Auseinandersetzung erzielen: es soll einem Verblassen der Erinnerung entgegenwirken, nicht zuletzt durch die starken Farben.

 

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