Totales Glück im Bundeswald

Durchblick

Das Bundeswaldgesetz ist deutlich. Es beschreibt, dass das Sammeln von Pilzen nur für den Eigenbedarf zulässig ist. Was soviel wie ein Kilo bedeutet. Also tausend Gramm. Nur ist das Bundeswaldgesetz nicht mit meinen Fähigkeiten als Pilzsucher kompatibel. Mal habe ich Glück und finde mehr - schon wird der Heimweg zum illegalen Beutezug. Manchmal finde ich weniger und manchmal auch gar nichts. Doch kein öffentliches Amt der Bundesrepublik Deutschland ist bereit für Ausgleich zu sorgen. Beim Wegnehmen dagegen, da sind sie schneller. Förster und Zoll, Forstverwaltung und Polizei. Gerecht ist da nun wirklich nicht. Aber weder das Gleichbehandlungsamt noch die Bundesdrogenbeauftragte sind bereit, mir ein paar stämmige Steinpilze oder einige zarte Rotkappen in mein Körbchen zu legen. Was passiert denn mit den konfiszierten Pilzen? Die werden doch wohl nicht wieder eingraben? Und essen? Man traut einer Behörde ja viel zu, aber dass deren Kantine zu Mittag fremdgesammelte Pilze schmort, scheint mir dann doch unwahrscheinlich. Ausgleichende Gerechtigkeit ist da wohl nur legitim. Was sich auch ganz einfach organisieren lässt. Es wird eine Zeit festgelegt, zu der alle Pilzsammler den Wald verlassen. Beispielsweise zwölf Uhr. Und an der nächsten Lichtung übernimmt der Bundespilzbeauftragte die Verteilung. Für jeden genau ein Kilo. Nicht mehr und auch nicht weniger. Noch gerechter wäre es jedoch, wenn die Behörde selbst die Pilze sammelt. Und am Abend bekommt jeder sein Körbchen. Von mir aus gegen Pilzbezugsschein. Hauptsache, die Pilze sind sauber geputzt. Eben ein Nettokilo.

So wird die Gerechtigkeit absolut. Und das Glück total. Denn erst wenn alle gleich viel Glück haben, kann sich das Glück auch in sich selbst auflösen. Wenigstens beim Pilze suchen.