Totensonntag oder Ewigkeitssonntag?

Gedanken von Pfarrer Daniel Förster

Können Sie ein paar Gedanken zum bevorstehenden Totensonntag schreiben?", fragte der Redakteur am Telefon den Pfarrer. "Zum Ewigkeitssonntag?", gab der Angefragte zurück, "Das müsste schon zu machen sein." Woraufhin der Redakteur stutzte und nachhakte: "Ach, Sie sagen Ewigkeitssonntag?"

Tatsächlich sind für den letzten Sonntag im Kirchenjahr - das neue Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent - beide Bezeichnungen gebräuchlich und beide haben sie ihre Berechtigung. Der Totensonntag ruft zum Gedächtnis an die Verstorbenen auf. Dazu werden im Vorfeld die Gräber geschmückt und gehört der Gang zum Friedhof zum Ritual des Tages. Der Totensonntag erinnert daran, dass die Vergänglichkeit ein Teil unseres Lebens ist. Da hilft kein Verdrängen oder Verharmlosen. "Erkenne dich selbst und bedenke, dass du sterblich bist", soll eine Inschrift am Orakel von Delphi die Menschen jener Zeit schon gemahnt haben.

Den letzten Sonntag im Kirchenjahr als Ewigkeitssonntag zu begehen, nimmt ebenso die Vergänglichkeit des Lebens ernst, ohne jedoch dort stehen zu bleiben. Der Blick geht weiter über Tod und Grab hinaus hin zu der Hoffnung, die uns verheißen ist. Der Tod soll nicht das letzte Wort behalten und unser Leben nicht einfach zu Ende gehen. Es soll vielmehr vollendet werden und bei Gott sein Ziel finden. Christen halten sich dabei an Jesus Christus, der mit seiner Auferstehung zu Ostern den Tod überwunden und das ewige Leben in Kraft gesetzt hat.

Totensonntag oder Ewigkeitssonntag? Nein, das ist keine Alternative, sie gehören beide zusammen. Unsere Sterblichkeit ist eine ernste Wahrheit, die Gefühle der Trauer und der Verlassenheit gehen mit ihr einher. Das zu durchdenken und zu durchleben, braucht es Zeit und Rituale, wie wir es am Totensonntag praktizieren. Um in diesem Schmerz nicht ohne Hoffnung zu bleiben, wird die Botschaft des Ewigkeitssonntags gebraucht. Wer der Zukunft bei Gott vertraut, muss den Tod weder fürchten noch ihn verharmlosen, sondern kann ihn als gegeben und doch seiner Allmacht beraubt annehmen.

Am kommenden Sonntag wird in den Gottesdiensten deshalb von beidem zu hören sein, von der Ernsthaftigkeit des Totensonntags und der Hoffnung des Ewigkeitssonntags.