TU-Forscher erfinden Schnee-Ersatz

Idee Textilpiste soll Skifahren im Sommer ermöglichen - Kurvenverhalten ist noch ein Problem

Skifahren ohne Schnee? Kalter Kaffee, gibt's schon lange. Doch kunstschneeproduzierende Kanonen sind auch nicht der wahre Jakob. "Das ist energieaufwendig und funktioniert letztlich auch nur bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt", sagt Jens Reindl. Gemeinsam mit zwei Kollegen vom TU-Lehrstuhl für Fördertechnik hat der 32-Jährige, selbst begeisterter Snowboarder, in den vergangenen drei Jahren deshalb eine Alternative entwickelt - eine, die auch im Hochsommer funktionieren soll. "Es handelt sich dabei um eine textile Gleitbahn, die wie ein Teppich ausgerollt wird. An Berghängen, aber auch flach in einer Halle beispielsweise", so Reindl. Die Stoffpiste sei etwa einen Zentimeter dick und bestehe aus drei miteinander verbundenen Schichten mit unterschiedlichen Eigenschaften. So weise die obere Lage aus Garn eine "Berg- und Talstruktur" auf, was für eine geringe Kontaktfläche sorge und den Ski besser gleiten lasse. Die mittlere Vliesschicht wirke dämpfend und federe Stürze ab, während die untere Schicht die Piste stabil im Boden verankern soll. Laut den Jungunternehmern, die vor kurzem an der Reitbahnstraße ein Büro eröffnet haben, soll die Textilbahn zudem nicht nur Ski- und Snowboardfahren, sondern auch das Rodeln ermöglichen. "Wir könnten aktuell 10.000 Quadratmeter bedecken", so Reindl.

Doch wie fährt es sich auf dem neuen Untergrund nun eigentlich? "Die Beschleunigung ist sehr gut, allerdings rutscht man in den Kurven recht schnell weg", hat Marie Schulze vom Skiverein Einsiedel bei Testfahrten festgestellt. Das Problem ist den Entwicklern bekannt. "Momentan eignet sich die Textilpiste deshalb eher für Abfahrts- als für Slalomläufe", so Reindl. Mit Hochdruck arbeite man derzeit an der Serienreife, die das Team Mitte 2013 erreicht haben will. Denn die Zeit drängt. "Wir haben jetzt schon mehrere Anfragen und wollen künftig auch in Regionen exportieren, in denen aufgrund des Klimas nie Schnee fällt", so Reindl.