Über 100 Schaulustige bei Rettungseinsatz in Chemnitzer Gewässer

Wasserrettung Chemnitz probte für den Ernstfall am Knappteich

Chemnitz/OT Yorckgebiet

100 Schaulustige waren am Sonntagvormittag zum Knappteich im Yorckgebiet geströmt. Nein, es war glücklicherweise kein Unglück passiert, sondern es fand eine wichtige Übung statt. Die Wasserrettungsgruppe Chemnitz probte mit acht ihrer Mitglieder für den Ernstfall. Denn aktuell konstante Minusgrade verlocken so manchen Abenteuerlustigen auf die nur spärlich gefrorenen Eisflächen der städtischen Gewässer. Das kann schnell zum Einbruch und Ertrinken führen.

Vom Kombiretter zum Wurfsack

Die Rettungsgruppe probte auf dem Knappteich einige Bergungsmöglichkeiten. So kamen neben dem Rettungsboot auch der bewährte Kombiretter aus Plastik zum Einsatz. "Dieser besitzt einen starken Auftrieb und ist sehr kippsicher. Durch die Breite verringert sich die Gefahr auf Eisflächen einzubrechen", erklärte Felix Heisel, der den Einsatz als Gruppenführer leitete. Die sportlichen Teilnehmer hielten dank der Neoprenanzüge dem vier Grad kalten Wasser stand und tauschten mehrfach die Retter- und Opferrolle. Auch der Einsatz des so genannten Wurfsacks wurde geprobt. "Dieser beinhaltet ein 25 Meter langes Seil. Denn wann immer es möglich ist, sollte man die Rettung vom Ufer aus durchführen", erklärte der 30-Jährige.

Wasserwacht betreibt Aufklärung vor Ort

Die 100 Zuschauer, darunter viele Kinder und Jugendliche, beobachteten das Geschehen. Eine Kollegin der Wasserwacht Chemnitz des Deutschen Roten Kreuz verteilte Informationsflyer und erklärte die einzelnen Schritte. "Es gab in den letzten Jahren glücklicherweise keine Eisunfälle in Chemnitz. Die Leute sind wirklich vernünftig, aber Aufklärung ist immer wieder wichtig", betont Felix Birkner (36). Er ist Leiter der Chemnitzer Wasserrettungsgruppe, die zum Katastrophenschutz zählt. 20 ehrenamtliche Mitglieder zählt das Team, zehn davon sind ständig in Bereitschaft. Insgesamt gibt es in Sachsen vier Wasserrettungsgruppen, die mit Landesmitteln gefördert werden.

Vielfältige Einsätze der Wasserretter

Oft wird die Wasserrettungsgruppe zum Einsatz von Feuerwehr und Polizei hinzugerufen, wenn es um die Bergung von verunglückten Menschen im Wasser geht. Die gestrige Übung weckte schlimme Erinnerungen. Im Sommer 2021 hatten Taucher im Knappteich intensiv nach einem Mann gesucht. Der 50-Jährige konnte damals nur noch tot geborgen werden. Im Januar 2023 wurde eine vermisste Frau leblos aus einem Teich im Zeisigwald gezogen. Doch auch weniger dramatische Einsätze absolviert die Wasserrettungsgruppe. "Wir haben dank unserer Technik schon PKW aus Seen oder Flüssen geborgen", berichtet Felix Heisel. Auch bei der Befestigung neuer Bojen auf dem Grund des Stausee Oberrabenstein halfen die Einsatzkräfte.

Ein Appell an alle Eisläufer

Nach der Übungseinheit am Knappteich zeigte sich auch Oliver Treydel, der Koordinator der Bürgerplattform Mitte-Ost, zufrieden. "Der Einsatz war schon länger angedacht. Die Bedingungen waren diesmal perfekt und die Veranschaulichung eindrucksvoll", sagte der 46-Jährige. Er appellierte an die kleinen und großen Chemnitzer keinesfalls die trügerisch gefrorenen Eisflächen zu betreten. "Es gibt im Eissportzentrum und sogar auf dem Neumarkt beste Gelegenheiten Schlittschuh zu fahren", gibt er wertvolle Freizeittipps.

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