"Und täglich grüßt das Murmeltier"

Interview Matthias Reim am 20. November in der Stadthalle

"Meteor" ist das neustes Werk von Matthias Reim und wie viele seiner Alben, ist es wieder sehr erfolgreich. Am 20. November ist er mit der gleichnamigen Tour in Chemnitz und verzaubert die Fans in der Stadthalle.

BLICK-Redakteur Maik Bohn hat den Kult-Musiker im Dorint Hotel getroffen und einmal nachgefragt, wie er die Zeit immer in Sachsen erlebt.

1990 war ein besonderes Jahr, die Deutschen feierten ihre Einheit und Sie hatten mit ihrem Lied "Verdammt ich Lieb Dich" einen Riesenerfolg. Von da an gab es die großen Bühnen. Wie haben Sie die Zeit damals erlebt?

Damals habe ich in Göttingen gewohnt. Die Grenzöffnung habe ich demnach hautnah miterlebt. Überall waren fröhliche Menschen zu sehen.

Ich sah die Besucherströme und die vielen Ostautos - das war schon beeindruckend. Und ich glaube, alle Menschen in Deutschland waren damals in einer unglaublich positiven Stimmung. Ich selber war damals ein ziemlich unbekannter Musiker, der in einer kleinen Studentenbude wohnte und vom Ruhm träumte.

Am 8.3.1990 - das Datum werde ich nie vergessen - trat ich zum ersten Mal bei Wim Thoelke im Fernsehen mit meinem mein Song "Verdammt ich lieb Dich" auf - und der Song wurde auf Anhieb zu einem Riesenhit. Es ist einfach ein tolles Lied, das ich seit dieser Zeit immer noch bei jedem Konzert als schönste Zugabe spiele. Sie sehen: Das Jahr 1990 war für mich ein absolutes Glücksjahr - in jeder Beziehung.

Nach den Jahren des Erfolges gab es auch Tiefpunkte. Es begann eine Berg- und Talfahrt, woher haben Sie damals die Kraft genommen da wieder raus zu kommen? Wie haben Sie sich motiviert und auch Ihren Fans Mut gemacht, die selbiges erlebt haben?

Ich bin ohne es zu wollen zu einer Art von "Überlebens-Ikone" geworden. Für mich war das gar nicht so kompliziert. Ich lebe einfach meine große Liebe - so lange ich auf der Bühne stehen und singen kann, so lange ich komponieren und texten kann, ist alles andere für mich zu ertragen. Und in der Zeit, als ich ohne eigene Schuld in einen Schuldenberg geraten war, da hat mich die Musik gerettet - denn gerade zu dieser Zeit ging es mit meiner künstlerischen Karriere bergauf.

Gibt es ein Erfolgsrezept, wie Sie sich von Album zu Album weiterentwickeln und doch musikalisch immer Reim geblieben sind?

Das ist ungefähr die gleiche Herausforderung wie bei Live-Programmen. Ich habe bereits 18 "Matthias Reim-Platten" gemacht - da ist es nicht immer leicht, sich wieder neu zu erfinden. Das Thema Liebe hab ich als Texter und Produzent schon gefühlt 5.000 Mal beleuchtet! Dennoch finden sich immer wieder neue Themen und es ist immer etwas Besonderes. Ich denke ich bin immer Reim geblieben!

Die gleichnamige Tour beginnt am 20. November in Chemnitz und weitere Konzerte in Sachsen finden statt. Kennen Sie die Konzertsäle und die Städte?

Ja, inzwischen kenne ich in den Tourneestädten alle Hallen, die Backstage-Räume und Garderoben. Es ist wie "Und täglich grüßt das Murmeltier" - ich denke immer wieder: "Aber hier warst Du doch gerade erst kürzlich!" Aber auch auf Tour haben wir ab und an auch kleine Auszeiten vor den Konzerten. Die nutze ich dann, um mir die Innenstädte zusehen. Oftmals erkennen mich dann die Leute und wollen Fotos oder Autogramme. Das macht mir Spaß - es bereichert mich sehr, es ist wie eine Belohnung für mich.

Haben Sie einen Bezug zu dieser Region oder kennen Sie Fans persönlich?

In Sachsen ist meine Fanbase. Hier hat ja alles wieder angefangen! 2003 haben wir in Chemnitz vor ausverkauftem Haus gespielt und sogar eine DVD produziert. Ich liebe die Sachsen, meine Hauptmacht der Fans sitzt genau hier. Sie verstehen meine Sprache und tragen das Herz genau wie ich, am rechten Fleck! In vielen großen Konzerten gerade hier in Sachsen habe oft ich das Gefühl, ich singe nicht vor irgendeinem Publikum, sondern vor lauter Freunden.

Im Frühjahr waren Sie mit den Rocklegenden, Maschine, City und Karat auf Tour. Was war dass für ein Gefühl mit den Legenden auf einer Bühne zu stehen und die Konzertsäle zu rocken?

Ich schwärme heute noch davon. Es war eine lange Tournee, wir hatten überall ein begeistertes Publikum, dazu bestes Wetter bei den Open-Air-Konzerten. Die Fans waren toll und die Auftrittsorte einfach genial. Vor allem aber auch: Wir alle, die oben auf der Bühne standen, sind durch die gemeinsame Musik zu Freunden geworden. Ich glaube, das hat auch das Publikum gespürt.

Sie haben ein großes Repertoire an eigenen Songs aber Sie haben auch Lieder von Musikerkollegen gecovert, darunter den Ost-Klassiker "Schwanenkönig" von Karat. Warum haben Sie gerade das gecovert?

Die meisten, ja sogar fast alle Songs, die ich meinen Konzerten singe, hab' ich selber geschrieben - alleine oder mit Freunden. Aber gerade die Ost-Songs sind eine Ausnahme. Viele von den Songs, die damals im Osten entstanden sind und die ich bei meinen Tourneen kennen gelernt habe, die haben schon eine besondere Qualität.

Den "Schwanenkönig" zum Beispiel hab ich das erste Mal in den 90er Jahren von Karat gehört. Der Song hat mich fasziniert. Ich war kurz vorher in Florida im Urlaub, da starb ein Pelikan und die Tierwelt schwieg, rundherum war Totenstille. Immer wenn ich den Schwanenkönig höre, kommt mir das erlebte in den Sinn. Diese Situation traf direkt mein Herz, ich musste das Lied einfach singen!

Mit welchem Musikern würden Sie gern einmal Auftreten oder ins Studio gehen?

Ich bin Fan von Ozzy Osborne. Einmal mit ihm auf der Bühne stehen und einige Songs von Black Sabbath zu performen - das wäre genial!

Was wünschen Sie ihren Fans und sich selbst für die Zukunft?

Ich wünsche mir einfach, dass es so weitergeht wie bisher. Auch, dass wir noch viele, viele Jahre haben, gemeinsam alt werden und dabei aber jung bleiben können.