Urteil im Mordfall Valeriia (9) gefallen: Das ist das Ende des dramatischen Prozesses

Angeklagter beschuldigt Mutter, während sein Verteidiger ihn für den Täter hält

Chemnitz

Am heutigen Freitag endet der letzte Verhandlungstag im Mordprozess um die getötete 9-jährige Valeriia aus Döbeln am Chemnitzer Landgericht. Der Moldawier Andrei P. wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Trotz erdrückender Beweise wie DNA-Spuren, Handyauswertungen und Kamerabildern leugnete der Angeklagte die Tat weiterhin und beschuldigte sogar die Mutter des Mädchens. Das Gericht folgte jedoch der Anklage und sprach das Urteil aus.

Psychiatrisches Gutachten abgelehnt

Nach Beginn der Hauptverhandlung mit 45-minütiger Verspätung, lehnte die Kammer den am Dienstag gestellten Antrag eines psychiatrischen Gutachtens ab mit der Begründung, dass es in der Hauptverhandlung keine Anhaltspunkte einer krankhaften Eifersucht des Angeklagten gegeben habe oder er die Tat aus einem Wahn heraus vollzogen habe.

Staatsanwaltschaft plädiert auf Mord mit besonderer Schwere der Schuld

Die Staatsanwaltschaft beantragt im Abschlussplädoyer eine Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke mit der besonderen Schwere der Schuld. Der Täter habe aus dem normalpsychologischen Beweggrund Wut / Rache gehandelt. Die besondere Schwere der Schuld wird damit begründet, dass der Täter mit hoher Zielstrebigkeit und Konsequenz die Tat in 20 bis 25 Minuten ausgeführt habe. Er sei am Vorabend der Tat von Prag nach Döbeln gefahren, habe die Nacht über gewartet und am frühen Morgen eine Markierung des Tatorts über Google Maps erstellt, bevor er Valeriia am Morgen abgefangen hat und mit ihr in den Wald gefahren ist, um sie in einer Schlammpfütze zu ersticken.

Das Beziehungsende sei der Auslöser gewesen und der Montagmorgen der erste mögliche Tag nach Beziehungsende, an dem er Valeriia allein hätte antreffen können. Die Anwälte der Eltern, die als Nebenkläger anwesend waren, stimmen dem zu. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass Valeriia nur zum Objekt geworden sei, an dem Andrei P. der Mutter Leid zufügen konnte. Andrei P. habe zur Mutter im Mai 2024 gesagt: "Wenn du dich von mir trennen wirst, dann werde ich dir solches Leid zufügen, dass du bis ans Ende deines Lebens weinen wirst." Sie habe sich getrennt, weil er gewalttätig ihr gegenüber war. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass Valeriia am 3. Juni 2024 gewaltsam getötet wurde und der Angeklagte dafür verantwortlich ist.

Verteidiger plädierte auf Totschlag

Während der Verteidiger ebenfalls von der Schuld des Angeklagten ausgeht und auf Totschlag plädierte, beteuerte Andrei P. weiter seine Unschuld. Er beschuldigte in seinen letzten Worten, über 30 Minuten lang die Mutter, Nadia H. der Tat. Sie habe nur Geld gesehen, wechselnde Männer gehabt, immer gelogen und ihre Kinder gehasst. Die Mutter war am letzten Verhandlungstag, im Vergleich zum Vater Roman H. nicht anwesend.

Zur Indizienlage:

Es wurden DNA Spuren am Tatort, sowie im Auto des Angeklagten von ihm und Valeriia gefunden. Das Auto hatte über 450 Kilometer mehr auf dem Tacho, als es durch die Arbeitswege des Angeklagten hätte haben sollen. Dies entspricht in etwa einer Fahrt von Prag nach Döbeln und wieder zurück. Das Fahrzeug wurde am Vorabend der Tat von Überwachungskameras auf der Autobahn zwischen Dresden und Prag sowie von Kameras in Döbeln aufgezeichnet. Man habe darauf nicht erkennen können, wer den Wagen gefahren hat. Jedoch gab der Angeklagte an, die Schlüssel des Wagens immer gehabt zu haben. Außerdem haben sich die Mobiltelefone des Angeklagten in die Funkzellen an der Wohnung des Opfers, sowie in dessen W-LAN ein- und ausgeloggt. Er habe zudem eine Google Maps Markierung des späteren Tatorts in der Nacht zum 3. Juni hinzugefügt und danach gegoogelt, wie man Standortdaten im Handy löschen kann. Diese Daten fehlten vom 2. und 3. Juni. Den Tatort kannte der Angeklagte, da er zwei Wochen zuvor mit der Familie ein Picknick ebenda vollzogen hatte. Der Angeklagte hat kein nachweisbares Alibi und behauptet zur Tatzeit in Prag gewesen zu sein. Die Zeugenaussagen bekräftigten den Verdacht der Staatsanwaltschaft.

Angeklagter beschuldigt Mutter in seinen letzten Worten

Angeklagter Andrei P.: "Hier stimmt einiges nicht überein: Ich halte es für möglich, dass jemand meine DNA am Tatort hinterlassen hat. […] Um ein Auto zu entwenden braucht man nicht mehr als zwei Minuten." Außerdem beschuldigte er Valeriias Mutter, Nadia H. des Mordes an ihrem Kind. "Die Mutter von Valeriia lügt, seitdem ich bei ihr eingezogen bin. Sie lügt und hat ein Motiv zur Tat."

Er beteuert weiter, dass er die Kinder und Nadia geliebt habe und sich eine Familie mit Zukunftsplänen gewünscht habe. Dann richtet er sich an die Männer im Saal: "Was hätte ihr gemacht, wenn ihr gewusst hättet, eure Frau hat einen neuen Mann? Was hättet ihr gemacht?"

Vater unter Tränen: "Ich gehe zum Friedhof, um sie um Verzeihung zu bitten, weil ich sie nicht beschützen konnte."

Valeriias Vater ergriff, sichtlich den Tränen nah, das Wort: "Ich bin der Vater von Valeriia und meine Tochter wurde brutal ermordet. Ich bin 2.000 Kilometer gefahren, um diesem Mann in die Augen zu schauen. Ich habe nur einen Feigling gesehen, einen Mann, der seine Augen immer zur Seite richtet." Mit den Tränen ringend fuhr er fort: "Am dritten Verhandlungstag wäre Valeriia 10 Jahre alt geworden. Das ist ein unerträgliches Leid, über sie in Vergangenheit zu sprechen." Er schilderte, wie Valeriia lachte, ihre erste Windel anhatte und ihre ersten Schritte machte. Er erinnerte sich daran, wie sie als kleines Kind im Auto auf seinem Schoß saß und ihre Finger um das Lenkrad legte. "Valeriia war mir sehr ähnlich, sie war eine Träumerin. [...] Jetzt ist nichts mehr da. Nun gehe ich zum Friedhof, um sie um Verzeihung zu bitten, weil ich sie nicht beschützen konnte."

"Ich habe die Akte und die Arbeit der Polizei gesehen. Dort ist alles mehr als klar und ich finde keine einzige Rechtfertigung, um den Mord an dem Kind zu erklären. Ich sehe kein Motiv, was das erklären kann. Sie wird nie einen Abiball haben, nie studieren, nie eigene Kinder haben. Es gibt kein Urteil, was das aufwiegen kann. Ich bitte darum, das maximal Mögliche zu urteilen."

Was geschah am 2. und 3. Juni 2024?

Valeriia H. war am 3. Juni 2024 in Döbeln von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden. (BLICK.de berichtete) Das Kind hatte sich am Morgen, gegen 6.50 Uhr, auf den Weg zum Schulbus gemacht. In der Schule war sie nie angekommen und die Grundschule hatte niemanden über das Fernbleiben der 9-Jährigen informiert. Am Dienstag, 11. Juni 2024, hatte man das Kind nach umfangreichen Suchmaßnahmen getötet in einem Waldstück zwischen den Orten Mahlitzsch und Hermsdorf direkt im Süden von Döbeln gefunden. Der Ex-Partner der Mutter geriet direkt ins Visier der Polizei.

Die kompletten Hintergründe:

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