Verboten noch vor den Beatles

Rückblick Andreas Schirneck erinnert sich an Musikerlegende Klaus Renft

Musiker aus der DDR, die dem Volk aus der Seele sprachen und mit ihren Gedanken Funktionäre provozierten - dabei fällt zwangsläufig der Name Klaus Renft. Dieses Jahr hätte der 2006 verstorbene Musiker seinen 70. Geburtstag gefeiert. Zu diesem Anlass zeichnete Andreas Schirneck, ein langjähriger Freund und Musikerkollege, am Samstag im Tietz ein unterhaltsames Bild der DDR-Legende. "Seinen vielschichtigen Charakter vermag ich in dem zweistündigen Programm aber kaum zu beschreiben", sagte Schirneck vor seiner Hommage, die mit Film- und Fotoaufnahmen, witzigen Anekdoten und einer Reise in die gemeinsame musikalische Vergangenheit als "Löhmaer Song Duo" gespickt war. "Viele Menschen nahmen ihn als poltrigen und mürrischen Zeitgenossen wahr. Als er an Krebs erkrankte, kehrte er seinen weichen Kern jedoch zunehmend nach Außen", erinnerte sich Schirneck. So entnahm der 55-Jährige einem der zahlreichen Vier-Augen-Gespräche mit Renft auch seinen Auftrag: die Erinnerungen an ein bewegtes Leben weiterzutragen. Jenes Leben glich mitunter einer Achterbahnfahrt: "Noch bevor die Stones oder die Beatles auf der Bühne standen, war die Renft Combo bereits zum ersten Mal verboten", schmunzelte Schirneck, der auch mit Zitaten aus ehemaligen Stasi-Akten für Lacher sorgte. Beschreibungen wie "faul", "politisch und moralisch verkommen" oder "bequem" musste seinerzeit Klaus Renft, der selbst ernannte kleine Musiker aus Leipzig, beim Durchstöbern der kiloschweren Akten lesen. Über sich selbst schrieb das Ausnahmetalent in einem seiner Tagebücher: "Ich lebe in der Hoffnung, dass wenigstens Narben bleiben."